_Evidenzbasierte Therapie

​ Ist eine Prehabilitation vor Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks effektiv?

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Die Evidenzlage zur Effektivität einer präoperativen Physiotherapie (Prehabilitation) vor Implantation eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks ist nicht eindeutig. Bisher hat sich auch noch keine Studie damit befasst, inwiefern Prehabilitation möglicherweise die Erwartungen der Patienten und deren Zufriedenheit nach der Operation beeinflusst.

In einer Kohortenstudie untersuchten Forscher aus Neuseeland daher zum einen, ob ein achtwöchiges Übungsprogramm mit Edukation vor der Operation bereits zu einer Funktionsverbesserung und Schmerzlinderung vor dem Eingriff führt. Zum anderen sollte untersucht werden, ob sich die Erwartungen der Patienten und die Zufriedenheit nach der Operation positiv beeinflussen lassen. 75 Patienten gaben ihre Einwilligung zur Teilnahme. 52 dieser Patienten entschieden sich für die Prehabilitation, der Rest bevorzugte die herkömmliche Behandlung. Alle Patienten bekamen eine Broschüre mit Informationen zur bevorstehenden Operation und nahmen zwei bis vier Wochen vor dem Eingriff an einer einstündigen multidisziplinären Gruppendiskussion teil. Die Patienten der Prehabilitation-Gruppe bekamen zusätzlich zur herkömmlichen Versorgung über zwei Monate zweimal die Woche Therapietermine mit Übungen (45 Minuten) und Edukation (15 Minuten).

Zu dem 13 Übungen umfassenden Programm gehörten sowohl Kräftigungsübungen als auch Dehnungen für je zwei Minuten. Die Patienten wurden dabei instruiert, bis zur Ermüdung der Muskulatur zu arbeiten. Um in die Auswertung eingeschlossen werden zu können, mussten die Patienten an mindestens zwölf der 16 Einheiten teilgenommen haben. Im Rahmen der Edukation waren insbesondere die Themen frühe Mobilisation, Planung der Entlassung, Schmerzkontrolle, Nutzen von Übungen, Ernährung und postoperative Rehabilitation wichtig. Es ist zu berücksichtigen, dass in der Prehabilitation-Gruppe sieben Patienten nicht die minimal nötige Anzahl an Therapieeinheiten erreichten und sechs weitere Teilnehmer im Verlauf abbrachen. Die Daten dieser Patienten mussten daher ausgeschlossen werden.

Zur Messung der Effekte wurde verschiedene Assessments eingesetzt, unter anderem die Numerische Ratingskala, der Western Ontario McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) und der Timed-Up-and-Go-Test. Gemessen wurde vor Beginn und am Ende der Prehabilitation sowie sechs Wochen nach der Operation. Zudem wurden mit 22 Patienten zwischen drei und neun Monate postoperativ telefonische Interviews geführt. Die Patienten aus der Prehabilitation-Gruppe wurden zum Beispiel gefragt, welche Erwartungen sie an das Programm hatten, was sie als gut empfanden, was eventuell nicht hilfreich war und welche Dinge besser hätten laufen können.

Beide Gruppen hatten sich nach der Operation verbessert. Die Prehabilitation führte zudem bereits vor der Operation zu signifikanten Verbesserungen in allen gemessenen Parametern. Die Auswertung der qualitativen Daten zeigt, dass sich die Patienten außerdem sehr gut auf die Operation vorbereitet gefühlt haben; sie schätzten insbesondere die Gespräche in der Gruppe.

Quelle: Clode NJ, et al. 2018. Does physiotherapy prehabilitation improve pre-surgical outcomes and influence patient expectations prior to knee and hip joint arthroplasty? Int. J. Orthop. Trauma Nurs. 30:14–9

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29954717

Heft 09-2018


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pt_Redaktion

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