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​Freiwilligendienst in Kenia ​

​Die Bedeutung von regelmäßiger Therapie ​

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Infantile Zerebralparesen gehören zu den häufigen frühkindlichen Erkrankungen. Ich habe über ihr Vorkommen in Kenia recherchiert, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen, da kein ausreichendes Datenmaterial zur Verfügung steht. Denn neben körperlichen Behinderungen wie Fußdeformitäten, Skoliosen oder Muskelerkrankungen habe ich viel mit infantilen Zerebralparesen zu tun. Bei insgesamt elf der 24 Kinder im Small Home ist diese Erkrankung Grund der Beeinträchtigung.

Eine solche kleine Patientin ist M.: Sie ist elf Jahre alt, besucht seit 2012 die St. Francis Primary School und ist seitdem im Misyani Small Home untergebracht. Nach der Geburt wurde bei ihr eine spastische Form der infantilen Zerebralparese diagnostiziert. Aus ihrer Akte habe ich entnommen, dass sie mit neun Jahren zum ersten Mal ohne Unterstützung ein paar Schritte gegangen ist. Nach Aussage ihrer Lehrer soll sich ihr Gangbild in den letzten zwei Jahren kontinuierlich verbessert haben.

M. zeigt das klassische Bild einer Zerebralparese. Man erkennt schnell, dass ihre Hauptprobleme in den Bereichen Koordination und Gleichgewicht liegen. Das spiegelt sich in einem wackeligen und unsicheren Gang wider. Dennoch versucht sie kürzere Strecken ohne Hilfe zu bewältigen. Bei längeren Gehstrecken wird sie häufig von Mitschülern unterstützt oder nutzt Rollstühle, die sie vor sich herschiebt. Bei ihren alltäglichen Verrichtungen, wie Essen, Trinken, An- und Ausziehen sowie Toilettengängen, ist sie so weit unabhängig.

Wir üben das freie Sitzen
Foto: Çağatay İkbal Çetinsoy


​Das Ziel: sicherer Gang ​

Somit steht die erste Zielsetzung fest: Um M.s Gleichgewicht verbessern zu können, müssen wir an ihrer posturalen Stabilität arbeiten. Nicht nur deren Mangel trägt bei ihr zu einem schlechten Gangbild bei, sondern auch eine gestörte Zielmotorik. Tests wie Finger-Nase-, Finger-Finger- und Knie-Hacke-Versuch zeigten, dass es M. schwerfällt, diese koordinierte Muskelarbeit umzusetzen. Täglich wird mit ihr daran gearbeitet, das Ziel „sicherer Gang” zu erreichen.

Wieso ich das erzähle? M. ist eines von wenigen Kindern, die das Glück haben, regelmäßig Therapie zu erhalten. Ihre Fortschritte sind das Resultat von regelmäßigen Behandlungen in den letzten Jahren, welche sie von Physiotherapeuten im Freiwilligendienst in ihrer Zeit im Small Home erhalten hat. Zurzeit bemüht man sich, einen Physiotherapeuten aus der Region für das Small Home einzustellen, der die Kinder täglich behandelt. In meiner noch verbleibenden Zeit hätten wir so die Möglichkeit, uns über die Kinder, ihre Behandlung und mögliche Ziele auszutauschen. Das Ziel einer kontinuierlichen Therapie ist hier zum Glück erreicht, denn wir Freiwilligen kommen und gehen.

Çağatays Blog: www.cagatay-geht-weltwaerts.jimdo.com

Heft 4-2018


Autor

Çağatay İkbal Çetinsoy

Physiotherapeut; 2012–2015 Ausbildung am Präha Lehrinstitut für Physiotherapie in Kerpen; seit 2015 tätig im Euregio-Reha-Zentrum des St. Antonius Hospitals in Eschweiler, Schwerpunkt: Orthopädie und (Unfall-)Chirurgie; Fortbildung in Manueller Lymphdrainage; arbeitet seit 2011 ehrenamtlich bei der Lebenshilfe FeD GmbH Aachen mit geistig und körperlich beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen.

cetinsoy@outlook.de

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