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​Laufend das Gedächtnis trainieren ​

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Nachrichten „Special”

Knapp 6.000 Wissenschaftler und Praktiker aus Medizin, Physiotherapie und Sportwissenschaft – darunter auch rund 50 deutsche Forscher – trafen sich 2017 in Denver (USA): Beim 64. Jahreskongress des American College of Sports Medicine, der größten sportmedizinischen Gesellschaft der Welt, diskutierten sie neue Erkenntnisse über bewegungsbasierte Prävention, Therapie und sportliche Leistung. Schwerpunkt des diesjährigen Meetings war der Stellenwert der Neurokognition im Kontext der körperlichen Aktivität. Der Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke war vor Ort und berichtet exklusiv für die pt.

Foto: lightspring / Shutterstock.com

Die Forschung zur muskuloskelettalen Gesundheit konzentrierte sich bislang hauptsächlich auf die Peripherie und untersuchte Risikofaktoren, Pathomechanismen sowie präventive und therapeutische Aspekte in den betroffenen Gelenken. Mehr und mehr wird aber klar, dass das Zentralnervensystem (ZNS) nicht nur eine bedeutsame Rolle spielt, sondern auch massiven, dauerhaften Veränderungen unterworfen sein kann – im positiven wie negativen Sinne. Dr. Henriette van Praag vom National Institute on Aging (Baltimore University, USA) zeigte in ihrem facettenreichen Übersichtsvortrag „Exercise and Neuroplasticity”, dass sich regelmäßige körperliche Aktivität lohnt. Die auftretenden Effekte umfassen neben der verbesserten synaptischen Verschaltung auch die Genese neuer Nervenzellen sowie die Steigerung der Durchblutung und die Neubildung von Blutgefäßen, was sich günstig auf das Schlaganfallrisiko auswirken könnte. Auch in puncto Gedächtnisleistung bringt Sport Vorteile: So kommt es etwa beim Laufen in der beteiligten Muskulatur sowie im Blutplasma bei Tier und Mensch zur Ausschüttung unterschiedlicher Myokine, darunter Cathepsin B. Dessen Sekretion führt zur Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus und zu einer verbesserten Erinnerung. Bei ausbleibender Bewegung lassen sich diese Prozesse nicht beobachten.

Quelle: Moon H, et al. 2016. Running-induced systemic cathepsin B secretion is associated with memory function. Cell Metab. 24, 2:332–40

Dr. Jan Wilke

Heft 9-2017


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