_Evidenzbasierte Therapie

​Lindert Übungstherapie die Bewegungsangst von Patienten nach Fusionsoperation bei Spondylolisthesis? ​

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Foto: Stefania Arca / Shutterstock.com

Finnische Wissenschaftler randomisierten 98 Patienten nach posterolateraler Wirbelkörperfusion bei lumbaler Spondylolisthesis in zwei Gruppen: Die Übungsgruppe (n = 48) übte für zwölf Monate mindestens zwei- bis dreimal zu Hause (Gehtraining, Kräftigung und Koordination der Rumpf- und Hüftmuskulatur, mit 50 bis 70 Prozent der Maximalkraft) und wurde durch regelmäßige Auffrischungseinheiten alle zwei Monate in ihrem Hausaufgabenprogramm unterstützt (sechs Termine). Dabei wurden auch Barrieren gegen die Übungen und Ängste thematisiert. Die Probanden der Normalversorgungsgruppe (n = 50, Kontrollgruppe) erhielten nur einen einzigen Termin Physiotherapie, bei dem sie instruiert wurden, dreimal wöchentlich leichte Kraftausdauerübungen für Bauch-, Rücken- und Hüftmuskulatur zu machen, sich zu dehnen und den Gleichgewichtssinn zu schulen. Studienbeginn war drei Monate postoperativ, bis zu diesem Zeitpunkt hatten beide Gruppen eine identische medizinische Versorgung bekommen. Inkludiert wurden Personen über 18 Jahre, die eine degenerative (69 Prozent) oder isthmische (teils knorpeliger Wirbelbogen) Spondylolisthesis hatten. Zu den Ausschlusskriterien zählten unter anderem Frakturen, Tumoren, eine Parese der unteren Extremität, ernste Pathologien in Bezug auf das kardiorespiratorische oder muskuloskelettale System und postoperative Komplikationen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 59 Jahre, 74 Prozent waren Frauen. Das Ausmaß der Kinesiophobie (Bewegungsangst) wurde mithilfe der Tampa Scale for Kinesiophobia (TSK) evaluiert, die körperliche Aktivität maßen die Forscher mit dem International Physical Activity Questionnaire (IPAQ, siehe Kasten). Die Daten wurden präoperativ sowie drei Monate postoperativ und am Ende der zwölfmonatigen Intervention erhoben.

Das Ergebnis: Ein progressives, drei Monate postoperativ beginnendes Übungsprogramm nach lumbaler Wirbelkörperfusion ist einer einmaligen Instruktion durch einen Physiotherapeuten nicht überlegen. Es gab nach Studienende keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen, weder beim Medianwert in der TSK noch bei der körperlichen Aktivität im IPAQ. Diese Ergebnisse könnten eine wichtige Information darstellen, um ressourcenschonend und trotzdem patientengerecht zu therapieren.

Quelle: Ilves O, et al. 2017. Effectiveness of postoperative home-exercise compared with usual care on kinesiophobia and physical activity in spondylolisthesis: a randomized controlled trial. J. Rehabil. Med. Sep 1. [Epub ahead of print] Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28862315

International Physical Activity Questionnaire (IPAQ)

Der Fragebogen ist als Lang- oder Kurzfassung verfügbar, er misst die im Sitzen und körperlich aktiv verbrachte Zeit in einer gewöhnlichen Woche. 150 Minuten Bewegung pro Woche werden als ausreichende körperliche Aktivität eingestuft.

Quelle: www.lzg.nrw.de/ges_foerd/qualitaet/evaluationstools/methodenkoffer/instrumente-fuer-spezifische-zielgruppen/altersuebergreifend/international-physical-activity-questionnaire-ipaq/index.html

Heft 11-2017


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