_Evidenzbasierte Therapie

Sind aktive Übungsinterventionen effektiv zur Verbesserung der Grobmotorik bei Kindern mit Zerebralparese? ​

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Foto. olesia_bilkei / Shutterstock.com

Dieser Frage gingen Forscher aus Australien im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit nach. Sie recherchierten bis Mai 2017 in fünf wissenschaftlichen Datenbanken nach geeigneten Studien mit zerebralparetischen Kindern zwischen fünf und 18 Jahren. Die Kinder mussten dabei gehfähig beziehungsweise teilweise gehfähig sein. Zu den untersuchten Interventionen gehörten aktive Übungsinterventionen, die in einem klinischen Setting und ohne spezielle Ausrüstung durchführbar sind. Studien mit Medikamenten oder operativen Maßnahmen wurden ausgeschlossen, ebenso wie Übungen im Wasser oder andere spezifische Maßnahmen, für die es separate Übersichtsarbeiten gibt, zum Beispiel Laufbandtraining oder Hippotherapie. Die Erfolge der Maßnahmen in den Studien mussten mit Assessments zur Messung der Grobmotorik evaluiert worden sein. In den insgesamt 34 inkludierten Studien konnten sieben verschiedene Interventionen identifiziert werden:

  1. Training der Grobmotorik
  2. Training der Grobmotorik mit progressivem Krafttraining
  3. Training der Grobmotorik mit zusätzlicher Physiotherapie
  4. Training der Grobmotorik mit progressivem Krafttraining und zusätzlicher Physiotherapie
  5. modifizierte Sportaktivitäten
  6. nicht immersive Virtuelle Realität (zum Beispiel Nintendo Wii Fit)
  7. körperliches Fitnesstraining

In allen Studien wurde die Grobmotorik gemessen, teilweise wurden auch Erfolge auf Partizipationsebene dokumentiert. Sechs der Studien mit einem Evidenzlevel zwischen zwei und vier weisen auf positive Effekte durch ein Training der Grobmotorik hin. In drei Studien mit einem Evidenzlevel von zwei wurden die Übungen für die Grobmotorik mit einem progressiven Krafttraining und zusätzlicher Physiotherapie kombiniert. Zwei Studien mit Evidenzlevel zwei untersuchten die Effekte eines Grobmotoriktrainings plus Physiotherapie, vier Studien mit einem Evidenzlevel zwischen zwei und vier zeigen, dass ein Fitnesstraining wirksam ist. Unzureichend ist bislang die Evidenz für die Effekte von modifizierten Sportaktivitäten (drei Studien, Level zwei bis vier) und nicht immersiver Virtueller Realität (zwölf Studien, Level zwei bis vier). Wichtig dabei: Übungen für die Grobmotorik mit einem progressiven Krafttraining sollten nicht ohne zusätzliche Physiotherapie erfolgen (vier Studien, Level zwei).

Die Autoren schlussfolgern, dass aktive, funktionelle und variabel gestaltete Übungen im Alltagskontext bei gehfähigen oder teilweise gehfähigen Kindern mit Zerebralparese die Grobmotorik verbessern können.

Quelle: Clutterbuck G, et al. 2018. Active exercise interventions improve gross motor function of ambulant / semi-ambulant children with cerebral palsy: a systematic review. Disabil. Rehabil. Jan 5. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29303007

Heft 4-2018​


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