_Evidenzbasierte Therapie

​Verbessert ein Heimübungsprogramm die Gleichgewichtsfähigkeit und reduziert die Sturzneigung von älteren Personen mit Gonarthrose? ​

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Eine Arthrose erhöht das Risiko für Stürze im Alltag. Es folgen die Ergebnisse einer kontrollierten Studie mit 50 über 65 Jahre alten Personen mit Kniearthrose, die entweder in den vergangenen zwölf Monaten zweimal gestürzt waren oder einen Sturz mit Verletzungsfolge hatten. Dabei handelt es sich um eine sekundäre Subgruppen-Analyse der Originalstudie „Malaysian Falls Assessment and Intervention Trial“ (MyFAIT). Einschlusskriterien waren Knieschmerz und die röntgenologische Diagnose einer Arthrose (Kellgren-Lawrence-Grad zwei bis vier) sowie ein Ergebnis im Timed-Up-and-Go-Test (TUG) von über 13,5 Sekunden. Als klinische Zielgrößen maßen die Wissenschaftler zu Beginn und nach sechs Monaten das Ausmaß der Schwankbewegungen (postural sway) auf einer Kraftmessplatte während zweier Tests: Limits of Stability (LOS) und modifizierter Clinical Test of Sensory Interaction on Balance (mCTSIB), der vier verschiedene Testsituationen für jeweils zehn Sekunden beinhaltet:

  1. Stand auf festem Untergrund mit geöffneten Augen
  2. Stand auf festem Untergrund mit geschlossenen Augen
  3. Stand mit geöffneten Augen auf einer instabilen Schaumunterlage
  4. Stand mit geschlossenen Augen auf einer instabilen Schaumunterlage

Die Kniefunktion wurde mit dem Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS) evaluiert, die Sturzangst mit der Short Falls Efficacy Scale-International (FES-I).

Die Probanden, die in die Interventionsgruppe randomisiert worden waren (n = 22), erhielten eine personalisierte multimodale Therapie; neben einer Überprüfung der Medikation, einer Optimierung der kardiovaskulären und visuellen Situation, einer Edukation über Stürze und einer Identifizierung von Gefahrenquellen für Stürze zu Hause waren auch an das Otago-Programm angelehnte Heimübungen zur Verbesserung der Kraft und Balance Teil der Intervention (siehe Kasten). So übten die Probanden sechs Monate lang dreimal wöchentlich für 30 Minuten. Inhalte der Übungen waren zum Beispiel Knieflexion und -extension, Hüftabduktion, bei Bedarf erschwert durch Gewichtsmanschetten, und Balanceaufgaben wie Tandem- und Einbeinstände, Rückwärtsgehen und vieles mehr. Zur Nachuntersuchung kamen die Probanden in den ersten drei Monaten dreimal ins Krankenhaus. Die Kontrollpersonen (n = 28) wurden allgemein zu Gesundheitsthemen beraten und erhielten die übliche Versorgung durch ihre Therapeuten zu Hause.

Zu Studienende konnten die Daten von 41 Probanden ausgewertet werden, davon 17 aus der Interventions- und 24 aus der Kontrollgruppe. Beim Follow-up nach sechs Monaten war die Interventionsgruppe der Kontrollgruppe überlegen, sie hatte sich signifikant in den Outcomes von mCTSIB, FES-I und LOS verbessert. Die Sturzhäufigkeit verringerte sich durch das Otago-Programm hingegen nicht. Eine Limitation der Studie ist, dass die Probanden der Interventionsgruppe signifikant älter waren und zu Beginn eine höhere Sturzangst hatten als die Kontrollprobanden und dass die Studienabbrecherquote mit 20 Prozent relativ hoch war.

Quelle: Mat S, et al. 2017. Effect of modified Otago exercises on postural balance, fear of falling, and fall risk in older fallers with knee osteoarthritis and impaired gait and balance: a secondary analysis. PM R. Aug 18. [Epub ahead of print]

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28827207

Otago-Programm

Das Programm wurde von Dr. Clare Robertson und Prof. John Campbell (Universität von Otago, Neuseeland) für den häuslichen Bereich entwickelt. Es besteht aus individuell angepasstem Balance- und Gehtraining sowie Kräftigungsübungen für die untere Extremität. Ein Physiotherapeut unterstützt die Patienten in Form von Hausbesuchen und Telefonanrufen. Die Wirksamkeit des Programms konnte in einem Cochrane Review bestätigt werden.

Quelle: www.physio-akademie.de/fileadmin/user/franzi/pdf/Menue_7_Service_u_Downloads/Otago-Uebungsprogramm.pdf


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