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​Alkoholmissbrauch kann zu früher Demenz führen ​

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[js] Alkohol ist ein Nervengift. Daher überrascht es wenig, dass größere Mengen nicht nur die Leber ruinieren, sondern auch das Gehirn schädigen. Vor allem für Demenz vor dem 65. Lebensjahr ist Alkoholmissbrauch der Hauptrisikofaktor.

Michaël Schwarzinger und Kollegen von der Sorbonne haben Daten von fast 32 Millionen Patienten ausgewertet, die zwischen 2008 und 2013 aus französischen Kliniken entlassen wurden. 57.000 der unter 65-Jährigen litten demnach an einer Demenz, davon waren zwei Drittel Männer.

Alkoholmissbrauch und Folgeerkrankungen waren unter den jüngeren Demenz-Patienten stark verbreitet: Eine solche Diagnose traf auf 67 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen in dieser Gruppe zu. Somit erwies sich Alkohol als stärkster Risikofaktor für eine früh einsetzende Demenz.

Am häufigsten waren dabei Demenzen, die direkt auf eine Hirnschädigung durch Alkohol zurückzuführen waren. Aber auch andere Demenzformen wie Alzheimer oder vaskuläre Demenz wurden durch starken Alkoholkonsum begünstigt.

„Die meisten Übersichtsseiten schreiben geringem bis mäßigen Alkoholkonsum eine mögliche positive Wirkung auf das Gedächtnis zu”, so die Autoren. Tatsächlich gingen selbst moderate Trinkmengen häufig mit Schädigungen der Hirnstruktur einher.

Ein hoher Alkoholkonsum schädigt außerdem die Blutgefäße. Damit steigt das Risiko für eine vaskuläre Demenz. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn und ist nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform.

Literatur

1. Schwarzinger M, et al. 2018. Contribution of alcohol use disorders to the burden of dementia in France 2008–13: a nationwide retrospective cohort study. Lancet Pub. Health 3, 3:e124–32

Heft 07-2018


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