_Evidenzbasierte Therapie

Cochrane-Update 7 2018

PT-relevante CRs der Cochrane Library Ausgabe 5 / 2018 (1. bis 31. Mai)

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in Beitrag von Cordula Braun1 , Tanja Boßmann2 und Katja Ehrenbrusthoff3

Wir suchen für Sie

Die systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration, Cochrane Reviews (CRs), sind weithin als Goldstandard für systematische Reviews zu Fragestellungen aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung anerkannt. Wir möchten Ihnen den Zugang zu dieser bedeutsamen Quelle hochwertiger Evidenz so einfach wie möglich machen, um Sie darin zu unterstützen, aktuelle Cochrane-Evidenz im Sinne der evidenzbasierten Physiotherapie in Ihre tägliche Praxis einzubeziehen. Deshalb durchsuchen wir für Sie regelmäßig die Cochrane Library, „Heimatort“ aller CRs, nach allen neu publizierten, das heißt neuen oder neu aktualisierten CRs mit Relevanz für die Physiotherapie (PT) in Deutschland und stellen diese kompakt für Sie zusammen – in einer tabellarischen Übersicht, die eine von uns formulierte, auf Deutsch verfasste klinische Fragestellung sowie Kerninformationen zu jedem CR enthält.

Wir übersetzen für Sie

Aus allen relevanten Neuzugängen einer Monatsausgabe der Cochrane Library wählen wir je nach Verfügbarkeit und Eignung ein bis zwei CRs aus, deren „Plain Language Summary“ (laienverständliche Zusammenfassung, kurz: PLS) wir ins Deutsche übersetzen: Zu jedem CR gibt es neben dem Abstract, der wissenschaftlichen Zusammenfassung, ein solches PLS, in dem die wesentlichen Reviewinhalte insbesondere medizinischen Laien und Menschen ohne wissenschaftliche Kenntnisse verständlich vermittelt werden sollen. All unsere PLS-Übersetzungen werden nach ihrer Fertigstellung in der Cochrane Library publiziert, wo sie dauerhaft für jedermann frei zugänglich sind – zu finden über die in der tabellarischen Übersicht angegebenen Links zu den Reviews; die PLS befinden sich in der Cochrane Library jeweils unter dem Abstract. Im Anschluss an die tabellarische Übersicht drucken wir in der Regel ein übersetztes PLS ab. Die Verfügbarkeit eines deutschen PLS kennzeichnen wir in der Übersicht für jeden CR durch ein Flaggensymbol (siehe Legende).

Unsere methodische Vorgehensweise

Informationen zu unseren Kriterien für die Beurteilung der PT-Relevanz sowie zu unserer Vorgehensweise bei der Erstellung der PLS-Übersetzungen finden Sie in unseren Einführungsartikeln (siehe Infos zur Methodik).


PLS-Übersetzung

Hilton NM, et al. 2018. Respiratory muscle training for cystic fibrosis.

Link zum CR: cochranelibrary-wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD006112.pub4/full


Training der den Brustkorb erweiternden und verengenden Muskeln für Menschen mit Zystischer Fibrose (Mukoviszidose) ​

Reviewfrage

Was sind die Wirkungen eines Trainings der Muskeln, die den Brustkorb erweitern und verengen, für Menschen mit Zystischer Fibrose?

Hintergrund

Die Zystische Fibrose ist die am weitesten verbreitete genetische Erkrankung in der weißen Bevölkerung; sie verursacht bei den meisten Betroffenen Probleme mit den Lungen. Ein Training der Muskeln, die den Brustkorb erweitern und verengen, kann möglicherweise zur Verbesserung der Lungenfunktion und Lebensqualität von Menschen mit Zystischer Fibrose beitragen.

Foto: ankomando / shutterstock.com

Recherchedatum

Die Evidenz (der wissenschaftliche Beleg) ist auf dem Stand vom 17. April 2018.

Studienmerkmale

Wir suchten nach Studien, in denen Menschen mit Zystischer Fibrose zufällig entweder einer Gruppe, die ein Atemmuskeltraining durchführte, oder einer Kontrollgruppe (Vergleichsgruppe) zugeteilt wurden. Wir schlossen neun Studien mit 202 Teilnehmern ein, in denen eine große Bandbreite an Trainingsmethoden und -intensitäten angewandt wurde. In sieben der Studien erhielten die Trainings- und die Kontrollgruppe jeweils lediglich entweder ein Atemmuskeltraining oder eine Kontrollbehandlung (eine Studie hatte insgesamt drei Gruppen: eine, die eine Kontrollbehandlung erhielt, und zwei, die unterschiedliche Trainingsintensitäten erhielten). In einer Studie erhielten die Teilnehmer beide Behandlungsformen, jedoch in zufälliger Reihenfolge. Eine weitere Studie verglich ein Training mit der üblichen Versorgung. Die Studien dauerten maximal zwölf Wochen und waren alle sehr klein: Die größte hatte nur 29 Teilnehmer. Die Studien schlossen Teilnehmer unterschiedlichen Alters ab sechs Jahren ein, jedoch waren anscheinend die meisten Erwachsene. Die Studien untersuchten eine Reihe verschiedener Endpunkte (Ergebnismaße). Alle erhoben ein Maß der Atemmuskelkraft und die meisten mindestens ein Maß der Lungenfunktion; nur drei Studien erhoben die Lebensqualität.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse konnten zur Beantwortung der Reviewfrage nicht statistisch (rechnerisch) zusammengefasst werden, weil die Studienberichte entweder keine ausreichenden Angaben enthielten oder nicht dieselben standardisierten Messungen verwendet wurden. Keine Studie fand einen Unterschied in der Lungenfunktion nach dem Training; jedoch ermittelte eine Studie eine Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit, wenn mit einer Intensität von 60 Prozent der maximalen Anstrengung trainiert wurde, und eine andere, in der die Teilnehmer mit einer Intensität von 80 Prozent der maximalen Anstrengung trainierten, Verbesserungen in der Bewertung der Lebensqualität. Eine Studie ermittelte einige Evidenz für eine Verbesserung der Atemmuskelfunktion. Angesichts dieses Mangels an Informationen ist eine Empfehlung für oder gegen das Atemmuskeltraining nicht möglich. Zukünftige Studien sollten methodisch höherwertiger als die bisherigen durchgeführt werden und standardisierte Messungen verwenden.

Qualität der Evidenz

Es war in der Regel unklar, wie die Teilnehmer auf die Behandlungsgruppen aufgeteilt wurden und ob dies die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. In zwei Studienberichten wurde angegeben, dass die Personen, welche die Ergebnismessungen durchführten, nicht wussten, welche Behandlung die Teilnehmer erhalten hatten; in anderen Studien war dies jedoch unklar. Aus drei Studien schieden Teilnehmer aus Gründen aus, die möglicherweise in einem direkten Zusammenhang zur Behandlung standen und daher möglicherweise ein Risiko für eine Verzerrung (Verfälschung) der Ergebnisse bedeuten. In anderen Studienberichten wurden keine Angaben dazu gemacht, wie viele Teilnehmer ausschieden. Wir bewerteten die Qualität der Evidenz und beurteilten die Evidenz für die Lungenfunktion, körperliche Belastbarkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität als von sehr niedriger Qualität und die Evidenz für die Atemmuskelfunktion als von niedriger Qualität.

Mit freundlicher Genehmigung durch die Cochrane Library

Anmerkungen

1 hochschule 21 Buxtehude, Studiengang Physiotherapie

2 Richard Pflaum Verlag GmbH & Co KG, pt Zeitschrift für Physiotherapeuten

3 Hochschule für Gesundheit Bochum, Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften, Studiengang Physiotherapie

Heft 7-2018


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