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Nachrichten-Special: Ruhig mal exzentrisch werden

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Rund 1.000 Teilnehmer konnten sich im Mai beim Deutschen Olympischen Sportärztekongress in Hamburg über die neuesten Erkenntnisse aus der bewegungsbezogenen Forschung austauschen. Die Konferenz wurde von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) organisiert. Der Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke fasst einige der Vorträge für Sie zusammen.

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Muskelverletzungen gehören in vielen Sportarten zu den häufigsten Beschwerdebildern. Alli Gokeler von der Universität Paderborn betonte in seiner Präsentation zur Charakteristik und Struktur des Return-to-Play-Prozesses insbesondere den hohen Stellenwert der Prävention.

Der größte Risikofaktor für eine Verletzung sei noch immer die Vorverletzung: Athleten, die einmal eine Muskelzerrung oder einen Faserriss erlitten haben, weisen ein um mehr als das Siebenfache erhöhtes Risiko auf, sich erneut zu verletzen. Besonders dramatisch: Mehr als die Hälfte der Rezidive tritt innerhalb der ersten 25 Tage nach dem Comeback auf. Aus diesem Grund sollte die Freigabe der Rückkehr zur Aktivität stets gut abgewogen werden.

Eine Übung, die in keinem Programm zur Prävention und Therapie fehlen sollte, ist „Nordic Hamstrings“: Bei zehn Wochen Training liegt die Number Needed to Treat (NNT) – also die Anzahl an Sportlern, die behandelt werden muss, um eine Verletzung zu verhindern – in der Primärprävention bei nur 25. Noch beeindruckender ist jedoch, dass der Wert auf drei abnimmt, wenn es um die Verhinderung einer Wiederverletzung geht.

Literatur: Petersen J, et al. 2011. Preventive effect of eccentric training on acute hamstring injuries in men’s soccer: a cluster-randomized controlled trial. Am. J. Sports Med. 39:2296–303

Heft 09-2018


Autor

Jan Wilke

Sportwissenschaftler (M. A.); wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sportmedizin (Prof. Banzer) am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Forschungsschwerpunkte: Leitung des Arbeitsbereichs Faszienforschung, Sportrehabilitation und medizinische Trainingstherapie, chronische Rückenschmerzen.

wilke@sport.uni-frankfurt.de

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