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Nachrichten-Special: Schmerz hat viele Gesichter

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Im September 2018 fand zum fünften Mal der internationale Kongress der Cranio Fascial Therapy Academy (CRAFTA®) in Hamburg statt. Schwerpunktthema der zweitägigen Veranstaltung waren Schmerzen und ihre Auswirkungen auf den Kopf- und Gesichtsbereich. Neben deutschsprachigen Therapeuten nahmen auch Kollegen aus 13 weiteren Ländern teil. Sarah Venhorst berichtet exklusiv für die pt.

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Im fortgeschrittenen Stadium verlieren an Demenz erkrankte Personen die Möglichkeit, ihr subjektives Schmerzempfinden verbal adäquat zu äußern. Die Schmerzerfassung durch die verbale Äußerung des Patienten gilt normalerweise als Goldstandard. Einer der Hauptforschungsbereiche von Ass. Prof. Dr. Miriam Kunz aus Groningen ist die Schmerzerfassung über mimische Expressionen bei Personen mit Demenz.

Wenn Menschen aufgrund ihrer Demenzerkrankung keine Aussage mehr über ihr Schmerzerleben machen können, sollte man nicht davon ausgehen, dass sie keine Schmerzen empfinden oder weniger sensitiv gegenüber Schmerzreizen reagieren.

Aus einer Studie mit demenzerkrankten Personen wird deutlich, dass die zuständigen Hirnareale, bestimmte mimische Muskeln und Reflexaktivitäten durch schmerzhafte Reize aktiviert werden können. Schmerzen können von den Betroffenen wahrgenommen und empfunden werden.

Diese Studie unterstützt die These, dass die Wahrnehmung von Schmerzen über die mimische Expression (insbesondere die Augenpartie) des Demenzerkrankten eine bedeutende Rolle für die klinische Entscheidungsfindung spielt. Neben dem Gesichtsausdruck und der Körpersprache des Patienten betont Prof. Kunz die Wichtigkeit objektiver Assessments, wie etwa des Pain Assessment in Impaired Cognition (PAIC-15), im klinischen Einsatz.

Literatur

Lautenbacher S, et al. 2018. Using observational facial descriptors to infer pain in persons with and without dementia. BMC Geriatrics 18, 1:88

Heft 01-2019


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