PRAXIS_LEITLINIEN

Klinikinterne Leitlinien +++ Entwicklung +++ Implementierung +++ Qualitätssicherung +++ Effektivität

Klinik- und praxisinterne Leitlinien

Entwicklung und Implementierung

Tobias Schumacher

Auf einen Blick

Die gesetzlich geforderte Qualitätssicherung verlangt von uns Physiotherapeuten nur Behandlungen vorzunehmen, deren Effektivität nachgewiesen ist. Hier helfen Leitlinien im Praxis- wie Klinikalltag, um eine Therapie abzustimmen und die Qualität personenunabhängig zu gewährleisten. Der Autor zeigt Ihnen am Beispiel des Universitätsklinikums Tübingen, wie Leitlinien entwickelt und implementiert werden können.


Fallbeispiel

Ein 63-jähriger Physiker, der sein Leben lang in sitzender Position arbeitete und sich kaum bewegte, beschließt sportlich aktiv zu werden. Er gewöhnt sich an, jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen Gymnastik zu absolvieren. Bei einer Dehnung der ischiokruralen Muskulatur (Abb. 1) zieht er sich einen Hexenschuss zu. Sein Arzt verordnet Physiotherapie. Leider wird er in den darauffolgenden Wochen nicht immer vom gleichen Therapeuten behandelt. Therapieplanung, Urlaub, Krankheit usw. sorgen für einen häufigen Therapeutenwechsel. Mit jedem Wechsel verändert sich auch die physiotherapeutische Behandlungsstrategie.

Abb. 1

Auf der »Reise«

Eine Therapeutin sieht die Ursache für seine Schmerzen in der verhärteten Muskulatur, die sie versucht durch Massagen (Abb. 2) zu lockern.
Eine andere Behandlerin hat gerade einen McKenzie Kurs absolviert und führt eine mechanische Diagnostik durch. Sie vermutet, dass ein Riss in der Bandscheibe der Hintergrund für die verhärtete Muskulatur und die Schmerzen ist, und leitet den Patienten zu einer aktiven Therapie an, bei der die Wirbelsäule maximal gestreckt wird (Abb. 3). Wieder ein anderer empfiehlt die Nervenwurzeln zu entlasten, indem die Wirbelsäule in einer Becken-Bein-Aufhängung im Schlingentisch entlordosiert wird (Abb. 4).
Eine Manualtherapeutin wiederum macht eine Hypomobilität in einem Fazettengelenk für die Symptome verantwortlich, die sie durch passive Mobilisationen zu beheben (Abb. 5) versucht.
In einer weiteren Therapiestunde wird festgestellt, dass die Muskulatur des Patienten zu schwach ist, und darin wird die Ursache für seine Probleme vermutet; die Physiotherapeutin zeigt dem Patienten Kräftigungsübungen (Abb. 6).
Ein Kollege sieht das Problem ganzheitlich und versucht durch Druck an den Fußsohlen die Reflexbahnen zu reizen, die auch die Lendenwirbelsäule innervieren, um so eine Verbesserung der Rückenschmerzen zu erzielen (Abb. 7).
In einer Zeitschrift las der Physiker von einer Hot Stone Therapie (Abb. 8), die bei Rückenproblemen wahre Wunder bewirke – auch dies erprobt er bei einer Therapeutin. Des Weiteren lernt er noch physiotherapeutische Behandlungsverfahren wie Triggerpunktbehandlung, kraniosakrale und viszerale Therapie, MTT und Kinesiotape (Abb. 9 bis 13) kennen. Da es trotz vieler Physiotherapiebehandlungen zu keiner nachhaltigen Symptomverbesserung kommt, wird er operiert...

Abb. 2-13 siehe pt

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