PRAXIS_EVIDENZBASIERT

Neurorehabilitation +++ Neuroplastizität +++ Input +++ Repräsentation +++ Hands-on

Neurorehabilitation heute

Auf welche Evidenz kann sich gestützt werden?

Renata Horst

Auf einen Blick

Wie zeitgemäß sind physiotherapeutische Konzepte in der Neurorehabilitation? Die Neurowissenschaften zeigen die große Plastizität des Gehirns auf. Lesen Sie, wie moderne Ansätze sowohl auf Funktions- wie auch auf Teilhabeniveau die Reserven des Patienten mobilisieren können.


Konzepte in der neurologischen Rehabilitation bei Störungen des zentralen Nervensystems nach Abschluss der Hirnreife sind das Bobath-, PNF- und Vojta-Konzept. In den letzten Jahren entfachten sich viele Diskussionen, ob die Methoden, die in diesen Konzepten gelehrt werden, basierend auf den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, noch zeitgemäß sind. Einige »aufgabenorientierte« Konzepte, die in der modernen Zeit entstanden, behaupten, dass ihre Methoden evidenzbasiert sind. In diesem Zusammenhang wird oftmals eine »hands-off«-Vorgehensweise (siehe Glossar) empfohlen.

Paradigma: statisches vs. plastisches Nervensystem

Im vorigen Jahrhundert herrschten kontroverse Meinungen über die Fähigkeit des zentralen Nervensystems, sich nach Verletzungen regenerieren zu können. Ramon y Cajál (1), ein spanischer Neurophysiologe, war der Ansicht, dass Schäden, die das ZNS betreffen, irreversibel sind.

Nach William James, einem amerikanischen Mediziner und Psychologe, weist insbesondere Nervengewebe ein hohes Maß an Plastizität auf: » ... especially nervous tissue seems endowed with a very extraordinary degree of plasticity ...« (2).

Mobilisation funktioneller Reserven

Die Neurofazilitationskonzepte, die in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt wurden, teilten alle gemeinsam die Philosophie, dass nach Verletzungen des zentralen Nervensystems funktionelle Reserven mobilisiert werden können. Heute besteht hier kein Zweifel mehr. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Demaskierung stiller Synapsen.

Bei der Geburt verfügt ein Säugling über Millionen von Synapsen. Er hat sie sozusagen im Überfluss. Seine Bewegungen sind generalisiert und noch nicht selektiv (3). Im Verlaufe der motorischen Entwicklung des Kindes festigen sich die synaptischen Verbindungen, die sich durch seine Erfahrungen in der Umwelt zur Lösung motorischen Aufgaben be- ...

Abb. 1_Die Aufmerksamkeit auf das Explizite zu lenken, fördert das implizite Lernen.
Ein Patient nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes lernt beim Rückwärtsgehen sein Knie zu strecken. Hierfür wird exzentrische Kontrolle der dorsalen Oberschenkelmuskulatur benötigt.
Die biomechanische Situation des Hüft- und Kniegelenkes wird eingestellt. So erhält das Gehirn Feedback, damit die unbewusst gesteuerte Aktivität organisiert werden kann

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