PRAXIS_INTERNATIONAL

Im Gespräch: Prof. Dr. Harry J.M. von Piekartz

Mit der umfassenden Reform des niederländischen Gesundheitswesens zu Beginn des Jahres 2006 sind physiotherapeutische Leistungen erst ab der neunten Behandlung im Basispaket der Krankenkassenleistungen enthalten. Welche Auswirkungen spüren Sie als Praxisinhaber?

Die Zahl der Patienten hat sich seit der Reform nicht verringert, insbesondere in den letzten ein bis zwei Jahren ist sie sogar deutlich gestiegen. Das liegt sicher auch am »Direct Access«. Ich denke, dass sich die Menschen in den ersten zwei Jahren an den Direct Access gewöhnen mussten und ihn jetzt gern und oft nutzen. Außerdem haben viele Patienten und insbesondere die Dauerpatienten Zusatzversicherungen abgeschlossen, durch die physiotherapeutische Behandlungen weiterhin abgedeckt sind.

Seit 2006 gibt es den Direct Access auch in den Niederlanden. Nutzen alle Patienten ihn gleichermaßen?

Nein. Unter den Patienten, die mich und meine Kollegen direkt kontak tieren, sind insbesondere solche mit einer guten Compliance. Sie haben häufig sehr klare Fragen in Bezug auf ihre Be schwerden. Außerdem kommen durch den Direct Access mehr Patienten mit akuten Beschwerden zu uns, die nicht erst einen Arzt konsultieren wollen und wissen, dass sie durch die Reform bei Problemen mit dem Bewegungsapparat auch zum Physiotherapeuten gehen können. Es sind häufig eher jüngere Patienten – unter 40 Jahre – die vom Direct Access Gebrauch machen...

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