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Qualitative Interviews +++ Interviewpraxis +++ Onkologie +++ Gruppenübungsprogramm

Halbstrukturierte Interviews

Eine vielfach angewandte Methode in qualitativen Studien

Tanja Bossmann

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Auf einen Blick

Mario Stibale schloss in seine Übersichtsarbeit ab Seite 6 neben randomisierten kontrollierten Studien auch qualitative Untersuchungen ein. In diesen Arbeiten wurden unter anderem halbstrukturierte Interviews genutzt, um die Wirkung von Übungsprogrammen auf Krebspatienten zu erfassen. In diesem Beitrag lernen Sie einige Grundlagen kennen und wir erklären Ihnen die Methode mit nachfolgender Auswertung anhand eines konkreten Beispiels.

Interviewvarianten

Im Bereich der qualitativen Forschung gibt es viele unterschiedliche Designstrategien und Interviews sind zur Datensammlung sehr verbreitet (1, 2). Domhold stellt dar, dass Interviews generell durch ihre Struktur klassifiziert werden können (1).

Klassifikation durch den Strukturierungsgrad
Es gibt auf der einen Seite strukturierte Befragungen, die einem standardisierten Verlauf folgen und daher eher ungeeignet sind, um beispielsweise die Perspektive eines Krebspatienten tiefgründig zu erfassen. Auf der anderen Seite stehen die unstrukturierten Interviews, in denen die Forscher lediglich eine generelle Idee haben und der Gesprächsverlauf sehr offen ist. Eine besonders häufig eingesetzte Variante liegt zwischen diesen Extremen und wird als halbstrukturiertes oder auch teilstandardisiertes Interview bezeichnet. Dabei gibt es zwar einen Interview-Leitfaden, an dem sich die Forscher orientieren, es bleibt aber viel Spielraum für Formulierungen und Nachfragestrategien (2).
Es gibt zahlreiche weitere Varianten qualitativer Interviews. Einen guten Überblick bietet beispielsweise auch Hopf (2).

Interviewführung ist schwieriger, als man glaubt
Die Interviewpraxis ist keine leichte Sache und erfordert Erfahrung, denn ein Fragender muss in der Lage sein zu erkennen, wann es angemessen ist, vom Leitfaden abzuweichen, an welchen Stellen besonders nachgefragt werden sollte und wann es vielleicht besser ist, nur sehr unspezifisch zu fragen. Typische Fehler sind zum Beispiel Suggestivfragen und bewertende oder kommentierende Aussagen. Auch fehlende Geduld beim Zuhören oder die Nutzung des Leitfadens als Disziplinierungsinstrument sind Probleme, die einer guten Interviewführung im Wege stehen (2).
Hermann beschreibt insgesamt fünf Regieanweisungen zur Interviewführung (3). Er fordert unter anderem, dass der Interviewer ein gutes Klima schaffen muss, indem er selbst Entspannung und Gelassenheit zeigt. Außerdem braucht der Gesprächspartner Raum, um sich zu zeigen, das heißt, der Fragende sollte es unbedingt vermeiden, die eigene Position darzustellen – egal, ob es sich um Zustimmung oder Ablehnung handelt.
Soviel zur Theorie. Betrachten wir nun eine der im Review von Mario Stibale eingeschlossenen qualitativen Studien als ein konkretes Beispiel. ...


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