Koordination ++++ Propriozeptives Training +++ Einzelfallstudie +++ Reafferenz +++ Sensomotorik
Ein neuer Ansatz in Therapie und Training
Kuno Hottenrott, Sascha Seifert
Auf einen Blick
Sensomotorische bzw. koordinative Fähigkeiten sind die Grundlage jeder menschlichen Bewegung und somit für das Erlernen, Steuern und Anpassen von Bewegungen verantwortlich. Lesen Sie über das propriozeptive Training und über einen neuen Ansatz zur Schulung der Bewegungssicherheit und Haltungskontrolle. In einer vierwöchigen Studie wurde ein neu entwickelter Therapieboden getestet. Die Ergebnisse und das Therapieprogramm werden dargestellt.
Sensomotorische Fähigkeiten (siehe Glossar) stellen einen eigenständigen Bestandteil der motorischen Basisfähigkeiten dar und äußern sich im Prozess der Informationsaufnahme (Sensorik), Informationsverarbeitung und -speicherung sowie der Informationsumsetzung (Motorik). Im Sport und in der Alltagsmotorik repräsentieren sie fertigkeitsübergreifende Leistungsvoraussetzungen und haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Ausprägung von Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Ausdauer. Je besser die koordinativen Fähigkeiten ausgeprägt sind, desto ökonomischer, präziser und sicherer erfolgt der Bewegungsablauf.
Training bei Koordinationsverlust
Insofern ist das Training der Koordination in jedem Alter ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung der Fitness und Alltagskompetenz. Ein Verlust an Koordination, ausgelöst durch Unfälle, Verletzungen oder anderweitigen Störungen muss gezielt ausgeglichen werden. Im Fokus der therapeutischen Arbeit stehen seit vielen Jahren propriorezeptive Trainingsmittel wie Kippbretter, Kreisel, Therapiekreisel, Matten und Minitrampolin. Sie zeichnen sich durch einen instabilen Untergrund aus, der jedoch im Alltag oder Sport so gut wie nie vorkommt.
Durch verschiedene Übungen auf instabiler Fläche werden die Propriozeptoren verstärkt eingesetzt bzw. aktiviert. Mit diesem sogenannten »propriorezeptiven Training« soll die Bewegungssteuerung und -kontrolle verbessert werden. Obwohl diese Trainingsform seit vielen Jahren Anwendung findet, sind Therapieerfolge nicht immer nachweisbar (1).
Auch die nach wie vor hohen Verletzungsraten und Überbelastungen in bestimmten Sportarten veranlassen über die bisherigen Präventivstrategien kritisch nachzudenken. Der Nutzen bisheriger Präventionsmaßnahmen ist aus wissenschaftlicher Sicht in Bezug auf die Alltagsmotorik noch unbefriedigend.
Hintergrund des Propriozeptionstrainings
Propriozeption ist ein Sinnessystem, dass die bewusste und unbewusste Verarbeitung afferenter Informationen über Gelenkstellung und -bewegung sowie Muskelkraft durch das ZNS darstellt. Bei der Propriozeption wirkt eine Vielzahl von Mechanosensoren aus Muskeln, Sehnen und Gelenken mit.
Die Verarbeitung der afferenten Signale erfolgt unter dem Einfluss des Vestibularorgans und des Nackenreflexes (siehe Glossar) . Im Kortex entsteht somit ein Gesamtbild der aktuellen Gelenkposition und Muskelkraft. Die sensomotorische Kontrolle der Körperhal- ...
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