Bewegungstherapeutische Gruppenübungsprogramme
Mario Stibale, Margarete Landenberger
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Zusammenfassung
Einleitung_Neuere Studien haben gezeigt, dass Bewegung sich als supportive Maßnahme während und nach Abschluss der Krebstherapie günstig auf die Lebensqualität auswirkt. Diese bisher selten angewandte nicht-pharmakologische Therapie kann zur Vorbeugung oder Reduzierung therapiebedingter Nebenwirkungen beitragen.
Methode_In dieser Übersichtsarbeit wurden Studien ausgewertet, die ein Gruppentrainingsprogramm als Intervention in der Krebstherapie getestet hatten.
Ergebnisse_Generell gibt es nur wenig wissenschaftlich hochwertige Untersuchungen. Am besten untersucht sind bisher aktivitätsfördernde Gruppenübungsprogramme bei Brustkrebspatientinnen. Das Gruppentraining besitzt den Vorteil der sozialen und emotionalen Unterstützung durch die Gruppe und ermöglicht eine Kostenersparnis gegenüber der Einzelbehandlung. Alle Studien belegen, dass Bewegung eine sichere und erfolgversprechende Therapie in der Krebsnachsorge sein kann.
Schlussfolgerung_Es bedarf jedoch weiterer methodisch hochwertiger Studien. Deshalb sollen die Erkenntnisse dieser Untersuchung zur Entwicklung eines Gruppentrainingsprogrammes bei hämatologisch-onkologischen Patienten genutzt werden.
Schlüsselwörter_Krebspatienten, Lebensqualität, Nebenwirkungen, Bewegung, Gruppenübungen
Lebensqualität beeinträchtigt
Die Neben- und Nachwirkungen der Therapien bei Krebspatienten und die Auswirkungen der Erkrankung auf das Alltagsleben beeinflussen die Lebensqualität der Erkrankten und auch ihrer Angehörigen (1).
Während der Akuttherapie treten oft schwerwiegende Nebenwirkungen wie Reduktion der körperlichen Leistungsfähigkeit, Fatigue, Übelkeit, Erbrechen und Schmerz auf, was zu einer Verminderung der Lebensqualität führt. Hier bedarf es neben ärztlicher auch pflegerisch-therapeutischer Interventionen, um den mit Erkrankung und Therapie verbundenen Nebenwirkungen entgegenzuwirken.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass regelmäßig absolvierte Trainingsprogramme von leichter bis mittlerer Intensität den Patienten helfen können, ihre Krankheit und therapiebedingte Nebenwirkungen besser zu bewältigen und dadurch die Lebensqualität zu steigern (2).
Bewegungstherapie noch die Ausnahme
Die Anwendung von körperlichen Übungen in der Krebstherapie ist derzeit noch wenig verbreitet. Eine Befragung von onkologischen Pflegekräften in Großbritannien ergab, dass Übungsprogramme für Krebspatienten in nur 8,6 Prozent aller Krankenhäuser angeboten wurden. Von diesen führten etwa nur 20 Prozent ein Gruppenübungsprogramm durch, das unter Anleitung von Physiotherapeuten oder vom Pflegepersonal erfolgte (3). Zur Situation in Deutschland wurden keine Studien gefunden.
Frühzeitige Übungsprogramme empfehlenswert
Schon während der Chemo- oder Strahlentherapie kann mit aerobem Ausdauertraining begonnen werden. Frühzeitig gestartete Übungsprogramme verhindern die durch Inaktivität schnell einsetzende Muskelatrophie. Durch die Ausschüttung von Katecholaminen (siehe Glossar) wird das Herz-Kreislaufsystem angeregt, das Immunsystem gestärkt und der Appetit gefördert (4).
Körperliche Aktivität wirkt sich zudem günstig auf die Krankheitsbewältigung der Krebspatienten aus. Durch eine geringere Abnahme der Leistungsfähigkeit »werden das Selbstbewusstsein, die Unabhängigkeit und das Gefühl der Selbstständigkeit gestärkt. Dies wiederum führt zu einer besseren sozialen Integration und damit zur Reduzierung von Ängsten, von Unsicherheit im Sozialkontakt und von Niedergeschlagenheit« (5).
Die Effektivität der Übungen auf die Lebensqualität der Krebspatienten hängt jedoch stark von deren Motivation und der kontinuierlichen Übungsweise ab (6). Hier bieten Gruppentherapien den Vorteil der emotionalen und sozialen Unterstützung, wobei sich die Gruppenmitglieder gegenseitig motivieren. Der Zusammenhalt lässt die Patienten für eine kurze Zeit ihre Erkrankung vergessen. Des Weiteren ist eine Gruppenbehandlung gegenüber einer Einzeltherapie kostengünstiger, da mehrere Patienten gleichzeitig behandelt werden können (7).
Zielstellung
Ziel dieser durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. geförderten Arbeit (Projektnummer: SP 08/06) ist es, den aktuellen Forschungsstand zu Gruppenübungsprogrammen in der Krebstherapie aufzuzeigen. Dabei soll untersucht werden, wie sich ein physisches Trainingsprogramm auf die Lebensqualität der Patienten und die Nebenwirkungen der Krebstherapie auswirkt.
Methode
Über die Literaturdatenbanken Cochrane Library, CINAHL, PubMed und Medline wurden am 28. März 2009 mit den Suchbegriffen: »cancer«, »chemotherapy«, »group« »training« und »exercise« englischsprachige und deutschsprachige Studien gesucht.
Hierfür wurden nur Übersichtsarbeiten und Studien herangezogen, die im Sinne der Fragestellung die Wirkungen eines Gruppentrainingsprogrammes bei Krebspatienten untersucht hatten. Die Interventionsprogramme sollten dabei während oder nach Chemotherapie und / oder Bestrahlung stattgefunden haben. Auch auftretende Nebenwirkungen wie Fatigue, Übelkeit, Erbrechen und Schmerz sollten untersucht worden sein. Forschungsarbeiten, welche die Wirkung von Übungsprogrammen auf psychologische Probleme wie Ängste, Depressionen und die Lebensqualität oder die Trainingsauswirkungen auf physiologische Parameter wie Leistung, Blutwerte und Sauerstoffversorgung beschrieben, eigneten sich für diesen Review.
Ausgeschlossen wurden Studien, die als Intervention eine Einzeltherapie oder ein Hausübungsprogramm vorgenommen hatten. Auch diejenigen mit psychologischen Gruppentherapien ohne Bewegung als Intervention wurden nicht herangezogen. Zusätzlich erfolgte der Ausschluss derer, welche die reinen Laborwerte oder nur psycho- ...
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