WISSENSCHAFT_HAUTNAH

S-3 Leitlinie +++ Demenz +++ Konsensusgruppe +++ Psychosoziale Interventionen +++ Körperliche Aktivität

S-3 Leitlinie Demenz

Im Gespräch: Carola Gospodarek

Auf einen Blick

Carola Gospodarek ist Physiotherapeutin und Vorstandsmitglied des Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Sie leitet die gerontopsychiatrische Tagespflegestätte Anna-Charlotte in Berlin. Die Expertin war Miglied der Konsensusgruppe bei der Entwicklung der fachübergreifenden S3-Leitlinie Demenz, die im November 2009 vorgestellt wurde. Tanja Bossmann hat für Sie nachgefragt, welche Aufgaben damit verbunden waren und welchen Stellenwert die Physiotherapie nach dem aktuellen Forschungsstand hat.


Grundlage für die Leitlinie ist die vorhandene wissenschaftliche Evidenz sowie ein strukturierter Konsensusprozess aller beteiligten Gruppen – also auch der Physiotherapeuten. Wann sind Sie in das Expertengremium berufen worden?

Insgesamt 28 medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften haben am Entwicklungsprozess mitgewirkt, einschließlich Patientenorganisationen und Berufsverbände. Daher hatte der ZVK Bund bei mir angefragt, ob ich die Physiotherapeuten im Rahmen des Konsensusverfahrens bei der Entwicklung der Leitlinie Demenz ab Januar 2009 vertreten würde und dieses Angebot habe ich natürlich gerne angenommen. Das Konsensusverfahren ist aber nur ein Teil des gesamten Prozesses. Vorab wurden schon einzelne Thesen von Experten formuliert und die Steuerungsgruppe erarbeitete daraus Vorschläge für die Leitlinienempfehlungen.

Haben Sie sich auf Ihre Rolle als Expertin in der Konsensusgruppe speziell vorbereitet?

Ja, das war schon sehr wichtig. Ich hatte dabei zum Glück viel Unterstützung durch den ZVK. Für die Treffen mit der Konsensusgruppe brauchte ich aktuelle Literatur zur Effektivität physiotherapeutischer Interventionen bei Menschen mit Demenz und Reina Tholen von der Physio-Akademie unterstützte mich bei der Suche nach Evidenz. Unsere Recherchen deckten sich dann auch zum großen Teil mit den Ergebnissen der Steuerungsgruppe – das war sehr gut.

Wie muss man sich den Arbeitsprozess in so einer Konsensusgruppe konkret vorstellen?

Unter der Moderation von Professor Ina Kopp von der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften) traf sich die Konsensusgruppe insgesamt vier Mal. Während der Treffen sind wir die komplette Leitlinie durchgegangen und haben über jede These abgestimmt. Die Berufsverbände hatten dabei das gleiche Stimmrecht wie die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Angestrebt war ein möglichst breiter Konsens, mindestens aber zu 50 Prozent. Von der Systematik her begannen wir mit dem Bereich Diagnostik und eine ganz wichtige zentrale These ist hier entstanden: Der Patient hat ein Recht auf ...

Physiotherapeutin seit 1988; sie absolvierte Fortbildungen zu den Themen Kommunikation, Zugangswege und Beschäftigung im gerontopsychiatrischen Bereich; seit 2002 im Vorstand des Landesverbandes Berlin-Brandenburg und seit 2004 im Vorstand der Alzheimergesellschaft Berlin; seit 2006 leitet sie die gerontopsychiatrische Tagespflegestätte Anna-Charlotte in Berlin.
Kontakt: gospodarek@gmx.de
 
Carola Gospodarek



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