Eine Analyse vier verschiedener therapeutischer Konzepte
Gudrun Holl
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Zusammenfassung
Einleitung_Die Einführung bio-psycho-sozialer Modelle wie beispielsweise das »Neue Denkmodell« von Antje Hüter-Becker ermöglichen die Überprüfung physiotherapeutischer Konzepte auf neue Handlungsfelder.
Methode_In dieser Übersichtsarbeit werden vier physiotherapeutische Konzepte in Bezug auf ihre Anwendbarkeit beim Asperger-Syndrom (AS) deskriptiv untersucht. Wirkebenen, Entwicklungs- und Störungsmodelle sowie die Symptomatiken der Krankheitsbilder, die physiotherapeutisch zumeist mit den Methoden nach Affolter, Bobath, Psychomotorik oder Vojta therapiert werden, werden mittels einer vergleichenden Analyse auf Übereinstimmungen mit den Merkmalen und dem Störungsmodell des AS überprüft.
Ergebnis_Die Analyse zeigt, dass insbesondere drei der vier für diese Arbeit ausgewählten physiotherapeutischen Konzepte bedeutsam erscheinen: Vojta, Affolter und Psychomotorik.
Schlussfolgerung_Bei der Komplexität des Asperger-Syndroms scheint eine Kombination verschiedener Therapieansätze sinnvoll.
Schlüsselwörter_Asperger-Syndrom, Bobath, Affolter, Vojta, Psychomotorik
Was ist das Asperger-Syndrom?
Das »Asperger-Syndrom« (AS) ist ein diagnostischer Begriff für ein Störungsbild, das bereits 1944 von Hans Asperger beschrieben, 1992 in die ICD-10 (International Classification of Diseases in der 10. Revision der WHO) aufgenommen wurde und im letzten Jahrzehnt zunehmende Bedeutung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erlangte. Es gehört zu den autistischen Störungen im Spektrum der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen.
Ursachen
Die Entstehung des Asperger-Syndroms durch psychologische oder psychiatrische Faktoren, beispielsweise durch eine gestörte Beziehung zwischen Mutter und Kind, gilt als widerlegt. Heute wird zum einen eine genetische Disposition postuliert, da 30-60 Prozent der Patienten mit AS einen nahen Verwandten haben, der Merkmale aufweist, die auf das Asperger-Syndrom hinweisen (Abb. 1).
Daneben wird eine neurologische und neurobiologische Ätiopathogenese des Asperger-Syndroms dadurch bestätigt, dass 90% der autistischen Menschen Auffälligkeiten zeigen, die auf neurologische Störungen deuten, wie beispielsweise Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen, Fehlfunktionen der Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin) (1).
Modell des Integrationsdefizites
Remschmidt et al. beschreiben das Asperger-Syndrom als eine Folge spezifischer, organisch bedingter Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems und postulieren das Modell der »zentralen Integrationsstörung des ZNS« (2): Elementare Funktionen des ZNS (Sinnesfunktion, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis) und komplexe Funktionssysteme (kognitive, affektive und soziale Funktionssysteme) sind unzureichend abgestimmt und weder entwicklungs- noch situationsangemessen koordiniert« (2).
Für dieses Integrationsdefizit gibt es Hinweise auf der Ebene der anatomischen Strukturen (Kleinhirn), auf der elektrophysiologischen wie zellulären Ebene und auf der Verhaltensebene.
Dabei erreichen die Veränderungen der Hirnstruktur und der -funktion nicht das Ausmaß von Hirnverletzungen oder Folgezuständen von Entzündungen des Gehirns. Sie fallen viel subtiler aus und wirken sich eher darin aus, dass verschiedene Hirnfunktionen nicht ausreichend miteinander abgestimmt und somit nicht angemessen integriert sind (3).
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| Abb. 1_Ursache des Asperger-Syndroms | Abb. 2_Diagnostisch und therapeutisch relevante Merkmale und Beeinträchtigungen des Asperger-Syndroms |
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Merkmale
Attwood (4) beschreibt sechs Merkmalsbereiche bei Menschen mit Asperger-Syndrom, die diagnostisch und therapeutisch relevant sind (Abb. 2):
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