WISSENSCHAFT_SYSTEMATISCHER REVIEW

Training und Rehabilitation nach Totalendoprothese

Wirksamkeit von Koordinations-, Kraft- und Ausdauertraining bei Patienten mit TEP des Knie- oder Hüftgelenkes

Wolfgang Laube

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Zusammenfassung

Einleitung_Der sensomotorische Lernprozess ist bei der Rehabilitation von Patienten mit Totalendoprothese von großer Bedeutung.
Methode_In einer Medline-Recherche wurde nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und systematischen Reviews (SRs) zur Wirksamkeit von Koordinations-, Kraft- und Ausdauertraining bei diesen Patienten gesucht.
Ergebnisse_Die Recherche erbrachte 40 RCTs und 18 SRs, die im Volltext gelesen wurden. Für den vorliegenden Beitrag wählte der Autor repräsentative Arbeiten aus und stellt sie exemplarisch dar.
Schlussfolgerung_Aktive Physiotherapieprogramme erweisen sich als wirkungsvoll. Es gibt aber bisher keine Empfehlungen für die Art, den Umfang und die Intensitäten der Therapiebelastungen.
Schlüsselwörter_Sensomotorischer Lernprozess, Totalendoprothese, Knie, Hüfte

Abstract

Introduction_The process of sensomotoric learning is important for rehabilitation of patients with total hip or knee replacement.
Method_Randomised controlled trials (RCTs) and systematic reviews (SRs) evaluating the effectiveness of coordination, strength and
endurance training were searched in Medline.
Results_Literaturresearch revealed 40 RCTs and 18 SRs, whose full text were reviewed. Representative studies were selected for this
article.
Conclusion_Active physiotherapy interventions are effective, but there are no recommendations for type, extent and intensity of loading.
Keywords_Process of sensomotoric learning, total prosthetic replacement, knee, hip


Einleitung

Sensomotorischer Lernprozess Eine systematische physische Aktivität ge prägt durch alle drei sensomotorischen Hauptbeanspruchungsformen muss in allen Altersklassen als ein »essenzieller biologischer Bedarf« angesehen werden. Im Therapie- und Rehabilitationsprozess orthopädischer wie unfallchirurgischer Patienten hat in Wechselbeziehung mit der Schädigung und der Belastbarkeit der Strukturen die gerichtete physische Aktivität letztendlich gleichfalls das Primat. Das Wiedererlernen oder Anstreben von zuvor bestehenden beherrschten Bewegungshandlungen ist ausschließlich durch einen sensomotorischen Lernprozess, unterstützt durch die Entwicklung der konditionellen Fähigkeiten Ausdauer und Kraft, zu erreichen.

Training – Kritierien nicht erfüllt

Der Begriff Training kann aber außer bei Leistungssportlern in aller Regel nicht angewendet werden. Training ist ein komplexer, auf ein konkretes Ziel ausgerichteter und nach wissenschaftlichen Kriterien organisierter, planmäßiger, Jahre- bis Jahrzehnte dauernder, logischer und systematisch aufgebauter geregelter Prozess (1). Regelung liegt vor, weil das aktuelle Trainingsprogramm immer den bis dahin erworbenen biologischen Adaptationen entsprechen muss, um sensomotorische Leis tungen aufzubauen, zu stabilisieren oder weiter auszuprägen. In diesem Sinn bedeutet Training, dass auf der Grundlage pädagogischer, psychologischer und biologischer Gesetzmäßigkeiten und den sportwissenschaftlichen Mitteln und Methoden der physischen Belastung ein gerichteter Einfluss auf die physischen, psychischen und kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten (Leistungen) als auch zugleich auf die psychophysische Leistungsbereitschaft, die Lebensgestaltung und das Leistungsverhalten des Menschen genommen wird (1, 2). Diese Kriterien treffen für alle Patienten, die keine Leistungssportler sind, durchgängig nicht zu. Da funktionsbedingte Adaptationen für die Therapieergebnisse Wiederaufbau beziehungsweise Stabilisierung und Verbesserung der koordinativen und konditionellen Fertigkeiten nach einer Versorgung mit einer Totalendoprothese essenziell sind, wurde in der internationalen Literatur nach entsprechenden Ergebnissen gesucht.

Methodik

In einer Medline-Recherche wurde von 2000 bis August 2009 nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und systematischen Reviews (SRs) gesucht, die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Koordinations-, Kraft- und Ausdauertraining in der Therapie und Rehabilitation von Patienten mit Totalendoprothese des Knie- oder Hüftgelenkes darstellen. Entsprechend wurden aus den primären Suchergebnissen alle Veröffentlichungen ausgeschlossen, in denen die physischen Fähigkeiten und Fertigkeiten oder Beanspruchungsmerkmale des sensomotorischen Systems nicht direkt das Untersuchungsziel waren. Hierzu gehörten auch Untersuchungen, bei denen der Outcome mit Fragebogen und Scores ermittelt wurde. Die Recherche erfolgte mit den Schlüsselworten »total knee/hip arthroplasty and strength training« oder »strength, ... endurance training« oder »endurance, ... and proprio(re)ceptive training« oder »proprioception, ... and balance training « oder »balance... and training«bzw. »... and rehabilitation«. Die Begriffe »proprio(re)ceptive« bzw. »proprioception « und »balance« wurden synonym für coordination training bzw. coordination eingesetzt. Bei der Studienauswahl wurden die empfohlenen Richtlinien zur Durchführung eines systematischen Reviews (3) herangezogen.

Ergebnisse

Tabelle 1 fasst die Anzahl der RCTs und SRs im Analysezeitraum zusammen.
...

Tab. 1_Übersicht der RCTs uns SRs


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