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Ein Jahr Bolivien

Arbeiten in Südamerika

Anne Wandschneider

Abb. 1_Die Arbeit in Cochabamba, Bolivien gehört zu den schönsten Erfahrungen im Therapeutenleben von Anne Wandschneider
Foto: jeanphilippe delisle©fotolia.de

Auf einen Blick

Nach ihrem Examen 2004 wollte Anne Wandschneider einfach mal raus. Nicht therapieren wie bisher - nur ohne Schule und mit Geld – nein, sie wollte einmal etwas ganz Anderes kennenlernen. Also suchte die frischgebackene Physiotherapeutin im Internet nach Möglichkeiten in Südamerika zu arbeiten. Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Erfahrungen die Autorin dabei sammelte.


Optionen für Einsteiger

Mit Projects Abroad nach Bolivien

Bezahlte Stellen für Berufsanfänger sind in Südamerika nicht einfach zu finden. Die meisten zahlenden Organisationen wie Handicap International oder Voluntary Service Overseas fordern mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung. So suchte ich zunächst nach Organisationen, die Praktikumsplätze in der Physiotherapie anbieten. Allerdings muss man für diese Praktika zahlen.
Knapp zwei Monate und einen Mini-Spanisch-Sprachkurs später landete ich durch meine auserwählte Organisation Projects Abroad in Cochabamba, Bolivien. Mein Aufenthalt war erst einmal für drei Monate geplant und ich bezog ein kleines Zimmer bei einer sehr netten Gastfamilie. Solche Unterkünfte kosten je nach Ausstattung etwa 50 bis 100 US-Dollar im Monat. So konnte ich als Volontärin für Projects Abroad auf einer Station mit 14 Patienten im staatlichen Krankenhaus in Cochabamba – im Germán Urquidi Hospital, Station: niños quemados – arbeiten.

Arbeit in Cochabamba

Staatliches Krankenhaus Germán Urquidi

Die Station, auf der ich arbeitete, versorgte ausschließlich Verbrennungsopfer bis 16 Jahren. Das war ein ganz neues Feld und viele Leute fragten mich, ob es nicht schlimm wäre, die armen Kinder mit den verbrannten Gesichtern zu sehen und zu behandeln. Im Gegenteil! Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie die Genesung der Kinder täglich voranschritt, wie man selbst dazu beitragen konnte. Das Krankenhaus erleichterte mir den Einstieg sehr. Trotz meiner damals spärlichen Sprachkenntnisse übergab mir die leitende PT schnell eigene Patienten und ich wurde in alle Entscheidungen der Station mit einbezogen. Meine Organisation stellte sicher, dass ich in der Familie gut untergekommen war und es gab kostenlosen Spanischunterricht. Einmal pro Woche kam zudem eine Mitarbeiterin von Projects Abroads in das Krankenhaus und fragte nach, was wir an Materialien benötigen würden.

Untergeordnete Rolle der Zeit

In Bolivien teilt man sich seinen Tagesablauf selbst ein, es gibt keine Regelungen, in wie vielen Minuten man einen Patienten behandelt haben muss. Dadurch hatte ich viel Zeit, alles in der Ausbildung Gelernte anzuwenden ...


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