PRAXIS_ERFAHRUNG

Hilfsmittel +++ Teilhabe +++ Unilaterale Gehhilfen +++ Hemiparese +++ Rehabilitation

Unilaterale Gehhilfen

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen

Kerstin Thümmler, Sigrid Tscharntke

Auf einen Blick

Zur Bewältigung von Alltagsaktivitäten sind Patienten je nach Schwere ihrer Beeinträchtigung oft auf die unterschiedlichsten Hilfsmittel angewiesen. Sie ersetzen nie die verlorene Fähigkeit, sondern stellen einen Kompromiss dar, um die wichtige Ebene der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erreichen. Lesen Sie am Beispiel der Versorgung von Hemiparesepatienten eine kritische Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen von Hilfsmitteln, exemplarisch dargestellt an den weitverbreiteten unilateralen Gehhilfen.


Hilfsmitteleinsatz als Kompromiss

Ein Kompromiss bedeutet stets ein Abwägen vorhandener Vor- und Nachteile in Bezug auf das angestrebte Rehabilitationsziel. Vor diesem Hintergrund muss auf therapeutischer Ebene die Frage gestellt werden, welche primären Ziele mit dem gewählten Hilfsmittel verfolgt werden, zum Beispiel: Unterstützung der Rehabilitationserfolge, Weiterentwicklung motorischer Fähigkeiten (Ressourcenmanagement), Verhinderung von Folgeschäden sowie die Verbesserung der Selbstständigkeit.

In diesem Sinne hat der Rehabilitationsprozess ebenfalls einen deutlichen Präventionscharakter, da die Patienten neben der medizinischen Therapie eine Behandlung benötigen, die auf die Erhaltung und den Ausbau der Funktionstüchtigkeit sowie der Verhinderung von Folgebeeinträchtigung gerichtet ist (1). Hier werden die folgende Aspekte beleuchtet:

Dieser Artikel versteht sich als ein ›Baustein‹ zur Sensibilisierung und Reflexion der beruflichen Routine von Therapeuten in der Auswahl und Verordnung patientenspezifischer und alltagsnaher Hilfsmittel.

Unilaterale Gehhilfen

Allgemeine kompensatorische Auswirkungen

Jede unilaterale Gehhilfe verändert das Verhältnis des Patienten zu sei- ...

Abb. 1a und b_
Patient mit Hemiparese links; Hilfsmittel Vierpunktstütze rechts; Verlust der Körpermitte mit Verschiebung des Körperschwerpunktes nach rechts; hohe Stützaktivität des rechten Armes
a_Übergang Mid stance – Terminal stance
b_Übergang Loading response – Mid stance: Standbeinbelastung links stark reduziert, Tonuserhöhung der Wadenmuskulatur; hemiparetische linke Körperseite stark nach ventral rotiert
Abb. 1a Abb. 1b


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