WISSENSCHAFT_PATIENTENSERIE

Virtuelle Rehabilitation bei Parkinson

Einsatz einer Videospiel-Konsole in der physiotherapeutischen Behandlung

Michael Mey, Katrin Herzing, Susy M. Braun, Andreas S. Rothgangel

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Videospiel-Konsole bei Parkinsonpatienten
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Zusammenfassung

Einleitung_Morbus Parkinson zeigt sich unter anderem in den Symptomen Tremor, Rigor, Akinese und damit in einer verminderten Gleichgewichtsfähigkeit. Ziel dieser Studie ist es, die Anwendbarkeit von WiiTM zu untersuchen und erste Hinweise auf eine Gleichgewichtsverbesserung zu erhalten.

Material und Methoden_Die Studie war eine Fallserie im A-B-A Design. Zur Evaluation der Anwendbarkeit wurde ein semi-strukturiertes Interview durchgeführt. Um erste Hinweise hinsichtlich der Wirkung der verwendeten Konsole auf das Gleichgewicht zu erhalten, kamen die Berg Balance Skala, der Timed Up and Go Test, Functional Reach Test sowie die Patienten Specifieke Klachten Lijst zum Einsatz.

Ergebnisse_Sechs Probanden nahmen an der Studie teil. Sie äußerten sich positiv zur Anwendbarkeit hinsichtlich des Inhaltes, der praktischen Umsetzung, Motivation, persönlichen Empfindungen und den subjektiven Effekten der Therapie. Darüber hinaus verbesserten sie sich teilweise in den durchgeführten Assessments oberhalb der kleinsten erkennbaren Veränderung.

Schlussfolgerung_Die WiiTM-Konsole ist bei Patienten mit Morbus Parkinson in der Therapie anwendbar. Es zeigten sich ebenfalls erste Hinweise auf die Verbesserung des Gleichgewichtes.

Schlüsselwörter_Morbus Parkinson, WiiTM-Konsole, virtuelle Realität, Gleichgewicht, Patientenserie, Anwendbarkeit


Einleitung

Morbus Parkinson (MP) ist nach zerebrovaskulären, demenziellen Syndromen und Migräne mit einer Prävalenz zwischen 183 (1) und 200 (2, 3) Erkrankten auf 100.000 Einwohner die vierthäufigste neurologische Erkrankung in Mitteleuropa (4). Die Erkrankung tritt am häufigsten ab der sechsten Lebensdekade auf (5) und im Durchschnitt kommen jährlich 20 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner hinzu (2). Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Anzahl der Erkrankten in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren deutlich zunehmen (6).
Die gesetzliche Krankenversicherung beziffert die jährlichen Kosten für die Behandlung eines MP-Patienten im Stadium I nach Hoehn und Yahr auf 4.500 Euro und für einen Patienten des Stadiums IV auf 15.000 Euro (7). Der Heilmittelkatalog gibt keine eindeutigen Empfehlungen wie häufig ein Patient, der an MP erkrankt ist, ambulant therapiert werden sollte. Im Allgemeinen wird eine wöchentliche Behandlungsfrequenz von ein bis zwei Sitzungen vorgeschrieben (8).

Physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten

Da MP eine chronische Erkrankung ist, die progredient verläuft und einen zunehmenden Verlust an Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag zur Folge hat, besteht neben der medikamentösen Therapie eine eindeutige Indikation zur regelmäßigen und intensiven Physio- bzw. Bewegungstherapie.
Im Gegensatz zum Heilmittelkatalog soll nach Brötz et al. der MP-Patient mindestens fünf Mal die Woche für 45 bis 90 Minuten Übungen zur Beweglichkeitssteigerung oder zur Kräftigung durchführen (9). Eine adäquate Therapiefrequenz ist somit meistens nicht zu realisieren. Daher sollte nach Möglichkeiten für Eigenübungen der Patienten mit MP gesucht werden.

Die verwendete Konsole

Eine neue Möglichkeit, um neurologische Patienten selbstständig in ihrer Wohnumgebung Übungen durchführen zu lassen, gibt es mit der WiiTM-Konsole. Sie wird an den Fernseher angeschlossen und verfügt über eingebaute Bewegungssensoren, welche die Position und Bewegung des Spielers im Raum registrieren und diese in entsprechende Bewegungen von Spielfiguren auf dem Bildschirm umsetzen.
Ergänzend zur Konsole können mithilfe des WiiTM-Balance-Boards Gewichtsverlagerungen des Spielers registriert und in ein virtuelles Spiel umgesetzt werden.
Derzeit veröffentlichte Studien zeigen eine positive Tendenz hinsichtlich der Anwendbarkeit und Wirksamkeit virtueller Rehabilitationsmethoden (10-13). Über den Einsatz bei Patienten mit MP existieren nach dem Wissen der Autoren momentan noch keine Daten.
Daher gingen sie folgender primärer Fragestellung nach: Wie ist die klinische Anwendbarkeit der WiiTM-Konsole innerhalb der physiotherapeutischen Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson aus Sicht der Patienten?
Innerhalb der sekundären Fragestellung wurde folgender Aspekt untersucht: Gibt es erste Hinweise hinsichtlich der Wirkung der WiiTM-Konsole in Bezug auf die Verbesserung des Gleichgewichtes und der posturalen Kontrolle?

Material und Methoden

Es wurde eine Patientenserie im A-B-A Design durchgeführt, in der sowohl qualitative als auch quantitative Daten erhoben wurden. Die Phase A umfasste eine zweiwöchige Messperiode zur Erstellung eines Baseline-Datensatzes, um stabile Eingangswerte zu registrieren bzw. eine zweiwöchige Follow-up-Periode im Anschluss an die Intervention. Zwischen diesen beiden Perioden fand die Interventionsphase B statt.

Population

Aus der Patientengruppe der deutschen Parkinsonvereinigung (DPV) Regionalgruppe Euskirchen sollten fünf bis acht Patienten in die Untersuchung eingeschlossen werden. Potenzielle Patienten wurden ausreichend über Studienablauf und -inhalte informiert und bekamen zwei Tage Zeit ihre Teilnahme an der Untersuchung zu überdenken.

Die Patienten sollten folgende Inklusions- und Exklusionskriterien erfüllen und wurden nach Unterzeichnung der Einwilligungserklärung in die Studie eingeschlossen:

Inklusionskriterien

Exklusionskriterien

Inhalte der Intervention

Die Interventionsphase erstreckte sich über einen Zeitraum von fünf Wochen. In dieser Zeit wurden insgesamt ...


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