WISSENSCHAFT_KOMPETENZEN

Timed Up and Go Test +++ Neurologie +++ Schlaganfall +++ Alltagsaktivitäten +++ Validität

Timed Up and Go Test für Schlaganfallpatienten

Im Gespräch: Christina Faria

HINWEIS
Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Heidrun Schewe, die das Interview führte.
Heidrun Schewe promovierte 1977 in Sportwissenschaften; seit 1988 Dipl. Ingenieurin (Mess- und Regelungstechnik); 1978-94 Dozentin im Ausbildungslehrgang für Lehrkräfte der Krankengymnastik in Heidelberg; zuletzt Professorin an der University of Cape Town (UCT).
Kontakt: heihschewe@aol.com

Auf einen Blick

Christina Faria unterrichtet im Fachbereich Physiotherapie an der Universität in Belo Horizonte in Brasilien. In ihrer Dissertation - betreut von Professor Luci F. Teixera-Salmelaa und Professorin Sylvie Nadeaub - bearbeitete sie den Timed Up and Go (TUG) Test neu. Die Untersuchung wurde vom Dissertation Award der ISB (International Society of Biomechanics) im Rahmen des Graduate Student Exchange Programms unterstützt. Heidrun Schewe, Professorin für Sport- und Bewegungswissenschaften, sprach mit der Physiotherapeutin über die Studie.


Frau Professorin Faria, was hat Sie dazu bewegt, den TUG Test dieser Überprüfung zu unterziehen?

Der Timed Up and Go (TUG) Test ist einfach, praktisch und schnell durchzuführen. Außerdem enthält er wichtige Mobilitätskategorien der Internationalen Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, die bei Patienten mit einer durch einen Schlaganfall verursachten Hemiparese beeinträchtigt sind. Dennoch erhält man als einziges messbares Ergebnis des Tests lediglich die Zeit für seine Durchführung.
Stellt man dem die nachgewiesenen Veränderungen einiger biomechanischer Charakteristika und Strategien, die sich bei Hemiparesepatienten hinsichtlich wichtiger Alltagsaktivitäten einstellen, gegenüber, dann scheint es notwendig zu sein, ein reliables und valides Messinstrument zu entwickeln, das die systematische Beurteilung dieser einzelnen Veränderungen erlaubt.

Wie sind Sie vorgegangen, um ein solches Messinstrument zu entwickeln?

Die Untersuchung war komplex und bestand aus sechs Phasen, die Schritt für Schritt zu einer neuen und erweiterten Version des TUG Tests führten. Zuerst arbeiteten wir die vorhandene Version weiter aus und bestimmten biomechanische Kriterien des Tests. Dabei wurden drei unterschiedliche Informationsquellen einbezogen:

1. Literatur
2. Meinung von 14 Rehabilitations-Experten
3. Vergleichende Beobachtungen von 22 gesunden Personen und 22 Schlaganfallpatienten, die nach Alter, Geschlecht und Niveau ihrer sportlichen Aktivitäten vergleichbar waren. Sie wurden bei der Durchführung des TUG Tests in drei Gruppen eingeteilt: langsam (n = 7), mittel (n = 8) und schnell (n = 7).

In der zweiten Phase beurteilten wir dann die Inhaltsvalidität der ersten Version des Tests - und zwar von einem Expertengremium aus erfahrenen Praktikern, die über viel Erfahrung in der motorischen und funktionellen Rehabi- ...

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