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Plazebo-Effekt

Wirkmechanismen von Schein-Interventionen

Tanja Bossmann

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Auf einen Blick

Christine Stamm untersuchte in der Übersichtsarbeit ab Seite 6 den Einfluss von Whole Body Vibration auf die Muskelkraft. Dazu analysierte sie randomisierte kontrollierte Studien, die Vibrationstraining mit einer oder mehreren anderen Interventionen verglichen. In einigen Arbeiten kam auch eine Plazebo-Vibration zum Einsatz. Der Beitrag erklärt Ihnen wichtige Grundlagen zum Plazebo-Effekt.


Plazebo-Vibration – wie geht das?

Bedeutung

»Plazebo« ist insbesondere im Zusammenhang mit der Arzneimittelforschung ein Begriff. Die Bezeichnung kommt aus dem Lateinischen (placere) und bedeutet wörtlich »Ich werde gefallen«. Klassischerweise meint man mit Plazebo ein Scheinmedikament ohne pharmakologisch aktiven Wirkstoff (1). Dabei sieht die Plazebo-Pille genauso aus wie ein echtes Arzneimittel. Denn Patienten, die in Studien ein Plazebo bekommen, sollen glauben, den richtigen Wirkstoff einzunehmen. Wenn das echte Medikament dann besser abschneidet als das Plazebo, spricht dies für die Wirksamkeit des Arzneimittels.

Plazebo-Interventionen kreieren

Aber Plazebo-Interventionen gibt es nicht nur in der Arzneimittelforschung. Es gibt zum Beispiel auch Studien, die eine Schein-Akupunktur applizieren - d. h. die Nadeln werden an den falschen Punkten gesetzt. Diese Behandlung wird dann mit einer »richtigen« Akupunktur-Behandlung verglichen.
Für den Bereich der Physiotherapie gibt es ebenfalls Möglichkeiten, Plazebo-Interventionen zu kreieren, zum Beispiel: eine unwirksame Ultraschallbehandlung oder Tape-Verbände, die aufgrund einer falschen Anlagetechnik eigentlich keine therapeutische Wirkung hervorrufen sollten. Für den Patienten müssen diese Schein-Therapien aber »echt« aussehen. Auch die in der Übersichtsarbeit in dieser Ausgabe analysierten Studien nutzten teilweise eine Schein-Intervention, genauer gesagt eine Plazebo-Vibration (2-5).

Blick in eine Studie aus der Forschungsarbeit

Betrachten wir eine von Christine Stamms eingeschlossenen Studien genauer. Ein finnisches Forscherteam stellte im Rahmen einer randomisierten Cross-over-Studie eine vierminütige Whole Body Vibration einer Plazebo-Vibration gegenüber (2).
Aber wie kann man sich in diesem Fall eine Schein-Intervention vorstellen? Ganz einfach! Das Protokoll sah in beiden Fällen identisch aus – die zu absolvierenden Übungen waren also gleich –, nur die Platte vibrierte nicht immer. Da es sich um eine Cross-over-Studie handelte, bekamen alle Teilnehmer sowohl die echte als auch die Schein-Vibration. ...


Neurowissenschaftliche Studien der letzten Jahre zeigten,
dass verschiedene kortikale (z.B. präfrontaler Kortex, Insula)
und subkortikale (z.B. Amygdala, Thalamus) Strukturen in
die Plazebo-Antwort involviert sind (6)
Foto: Teamarbeit©fotolia.de

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