Qualifkationsrahmen +++ Kompetenzniveau +++ Curricula +++ EU-Richtlinie
Eine Erleichterung international Bildungsabschlüsse miteinander zu vergleichen?
Jutta Räbiger
Auf einen Blick
Unter Bildungsexperten viel diskutiert, in der Bevölkerung kaum bekannt: der europäische Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen. Dieser Beitrag versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Was beinhaltet ein Qualifikationsrahmen und inwiefern könnte er für die Gesundheitsberufe nützlich sein? Lesen Sie, welche Vorteile vor allem Physiotherapeuten zu erwarten haben.
Zunächst muss man feststellen den Qualifikationsrahmen gibt es nicht. Faktisch existieren zwei, einen europäischen und einen deutschen, wobei es den europäischen Qualifikationsrahmen zuerst gab (1). Hinter dem Wortungetüm steht ein für uns alle relevantes bildungs- und beschäftigungspolitisches Konzept: Die Bürger der EU sollen zwischen den verschiedenen Ländern wechseln können, die internationale Mobilität im Bildungswesen und auf den Arbeitsmärkten soll gefördert werden.
Globalisierung in der Bildung
Der EQR wurde geschaffen, um den Arbeitgebern und den Bildungsinstitutionen eine Orientierungshilfe im Dschungel der Bildungsabschlüsse zu bieten. Dazu hat die EU ein einheitliches Raster über die Bildung gelegt; im EQR sind alle denkbaren Qualifikationen, vom Hilfsarbeiter bis zum Hochschulprofessor, auf insgesamt acht Niveaustufen abgebildet. Die Qualifikationen werden auf allen Stufen in den Kategorien »Kenntnisse«, »Fertigkeiten« und »Kompetenzen« (i.S. von Verantwortlichkeiten) beschrieben.
Nationale Konsequenzen
Ab dem Jahre 2012 soll auf allen (Hoch-) Schulzeugnissen und Zertifikaten vermerkt werden, welcher der acht Niveaustufen die entsprechende Aus- bzw. Weiterbildung zuzuordnen ist. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.
Zunächst müssen nationale Qualifikationsrahmen entwickelt werden, in die alle Bildungsabschlüsse (Aus- und Weiterbildung) eines Landes eingeordnet werden. Im Februar 2009 ist ein erster Entwurf für einen deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) vorgelegt worden (2). Wie der EQR weist auch der DQR acht Niveaustufen aus, diese werden allerdings anders als im EQR anhand der Kategorien »Fachliche Kompetenzen (Wissen und Fertigkeiten)« und »Personale Kompetenzen (Sozial- und Selbstkompetenzen)« beschrieben.
Der DQR-Entwurf ist im letzten Jahr probehalber auf fünf Berufsgruppen angewendet worden, darunter auf die Gesundheitsberufe und hier speziell auch auf die Physiotherapie. Die Ergebnisse der Erprobung sind (noch) nicht veröffentlich worden. Dem Vernehmen nach ist die dreijährige Berufsausbildung in der Physiotherapie dem Niveau 5 (probehalber) zugeordnet worden. Im Vergleich dazu wird die akademische Ausbildung - wie in den anderen Berufszweigen auch - auf Niveau 6 (Bachelor), 7 (Master) und 8 (Promotion) gesehen.
Der DQR soll nicht dazu dienen, Mediziner mit Maschinenbauern zu vergleichen. In erster Linie geht es darum, die verschiedenen Kompetenzniveaus innerhalb einer Berufsgruppe zu beschreiben und vergleichbar zu machen; zum Beispiel Physiotherapeuten mit und ...
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