PRAXIS_EVIDENZBASIERT

Anstrengungsempfinden +++ Ratings of Perceived Exertion (RPE) +++ Borg +++ RPE-Skala +++ CR-10-Skala

Das subjektive Anstrengungsempfinden

Hintergründe, Methoden und Anwendungen

Olaf Hoos, Dominik Reim, Johannes Gerhard

Auf einen Blick

Das subjektive Anstrengungsempfinden kennzeichnet die individuelle Wahrnehmung der Intensität einer körperlichen Belastung und stellt seit gut 30 Jahren eine etablierte Beanspruchungskenngröße dar. Zahlreiche Einflussfaktoren sorgen im Abgleich mit Belastungsvorerfahrungen für die individuelle Herausbildung des Anstrengungsempfindens. Die Autoren stellen Ihnen verschiedene Skalen vor, die einen breiten Einsatz dieser Größe in der gesundheitsorientierten Trainingssteuerung ermöglichen.


Psychophysiologischer Hintergrund

Relation von Stimulus und Antwort

Angelehnt an grundsätzliche Überlegungen aus der Psychophysik zur Relation von physikalischem Stimulus und individueller, perzeptueller Antwort wurde in der internationalen Literatur der Begriff »Ratings of Perceived Exertion (RPE)« und im deutschsprachigen Raum der Begriff des »subjektiven Anstrengungsempfindens« geprägt. Beide Begriffe sind aufzufassen als Anstrengung, Belastung, Anspannung und / oder Ermüdung, die subjektiv während einer (psycho-) physischen Belastungssituation wahrgenommen werden (1).

Mithilfe geeigneter Schätzskalen können das subjektive Anstrengungsempfinden, aber auch die individuelle Wahrnehmung von Schmerz, lokaler muskulärer Anstrengung oder Dyspnoe quantifiziert werden. Im Folgenden sollen die zugehörigen theoretischen Annahmen sowie die psychophysiologischen und methodischen Hintergründe erläutert und mit physiotherapeutisch bedeutsamen Anwendungsfeldern in Verbindung gebracht werden.

Anstrengungsempfinden als systemisch-integrative Größe

Die Zusammenhänge zwischen externer Belastungsvorgabe einerseits und resultierender interner Beanspruchung andererseits sind komplex und bilden ein zentrales Forschungsfeld in Sportwissenschaft, Sport- und Arbeitsmedizin, Psychophysiologie und Physiotherapie (2-4). In diesem Kontext ist das subjektive Anstrengungsempfinden als systemisch-integrative Größe und »psychophysiologisches Globalkorrelat« (siehe Glossar) der Beanspruchung zu bewerten.

Psychophysiologisches Modell

Ein psychophysiologisches Modell zur Erklärung des Informationsflusses vom physikalischen Stimulus zur perzeptuellen Antwort kann in Anlehnung an Noble & Robertson (5) wie folgt formuliert werden (Abb. 1). Der durch die Belastungsvorgabe in Abhängigkeit von Intensität, Dauer, Umfang, Dichte und Frequenz extern festgelegte Stimulus provoziert vor allem über chemische und neuromechanische Rezeptoren (Pressorezeptoren, Metabo- und Mechanorezeptoren, Muskelspindeln, Golgi-Sehnen-Organe) in der arbeitenden Muskulatur und dem kardio-pulmonalen System afferente Signale (4), die zusammen mit psychologischen Faktoren und unter Einbezug der Umwelt und der wahrnehmbaren Anstrengungssymptome zentral im Bereich des sensorischen Kortex verarbeitet werden.

Die Intensitäten dieser Signale werden durch den Abgleich mit vergangenen ...



weiter ... (für pt_Abonnenten)


Sie haben noch kein _Abonnement?
Profitieren Sie von dem umfangreichen Angebot für _Abonnenten!

Bestellinformationen


Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 © Pflaum Verlag www.physiotherapeuten.de