WISSENSCHAFT_SYSTEMATISCHER REVIEW

Whole Body Vibration

Kann Vibrationstraining die Muskelkraft steigern?

Christine Stamm

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Zusammenfassung

Einleitung: Whole Body Vibration (WBV) wird zunehmend in Physiotherapiepraxen, Fitnesscentern und im Sportbereich eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind Muskelkräftigung, Gleichgewichtstraining und Osteoporosebehandlung. Eine Steigerung der Muskelkraft wird dem tonischen Vibrationsreflex sowie neuronalen und vegetativen Anpassungen zugeschrieben. Diese Arbeit untersuchte den Einfluss von Whole Body Vibration auf die Muskelkraft.

Methode: Die Suche nach randomisierten kontrollierten Studien erstreckte sich auf die Datenbanken PubMed und Cochrane. Die methodologische Qualität der Studien wurde mit der PEDro-Skala bewertet.

Ergebnisse: 12 Studien wurden eingeschlossen und nach ausgewählten Kriterien ausgewertet.

Schlussfolgerung: Die analysierten Studien erbrachten übereinstimmend eine Zunahme der Sprungkraft durch Whole Body Vibration. Es zeigte sich die Tendenz, dass sowohl Whole Body Vibration als auch Krafttraining einen ähnlichen Effekt auf die Muskelkraft ausüben.

Schlüsselwörter: Whole Body Vibration, Muskelkraft, Krafttraining, tonischer Vibrationsreflex


Einleitung

In den letzten Jahren findet die Anwendung von Whole Body Vibration (WBV) eine zunehmende Verbreitung im Sportbereich und in Fitnesscentern. Auch in der Physiotherapie gewinnt sie als therapeutische Maßnahme immer mehr an Bedeutung.

Was ist Whole Body Vibration?

Unter dem englischen Begriff »Whole Body Vibration« versteht man eine niedrigfrequente Schwingung, die mittels eines Gerätes an einer Plattform erzeugt wird. Steht man auf dieser Plattform, überträgt sich diese Schwingung auf den Körper. Die Schwingung hat die Form einer sinusförmigen Welle und ist in ihrer Ausprägung gekennzeichnet durch ihre Amplitude und Frequenz. Auf der Plattform können neben der Vibration auch leichte Übungen im Stand oder im gebeugten Stand durchgeführt werden, um die Übertragung der Vibration aus möglichst unterschiedlichen Richtungen auf die untere Extremität und das Becken zu gewährleisten. Die Übertragung der Vibration auf die untere Extremität, die sich nahe an der Plattform befindet, ist größer als auf die entfernten Körperteile, wie Rumpf und Arme (1).
Die Anwendungsgebiete von WBV sind breit gefächert und die Angaben der Hersteller reichen von Muskelkräftigung, Osteoporosebehandlung, Verbesserung der Gleichgewichtssituation, Sturzprävention bis hin zur Behandlung von Stressinkontinenz (2). Doch kann WBV dies alles leisten?

Einfluss auf Kraftentwicklung

Cardinale & Bosco (3) beschrieben bereits 2003 eine Zunahme der Muskelkraft durch die Applikation von Vibrationen am Menschen. Sie begründen dies mit neuromuskulären und hormonellen Anpassungen an die Vibration. Über mono- und polysynaptische Regelkreise wird die Sensitivität des sensorischen Systems erhöht und auf diese Weise die Erregbarkeit der Alpha-Motoneurone gesteigert. Der Muskel antwortet mit einer erhöhten Kontraktilität und Kraftentwicklung.
Zusätzlich kommt es über Hypothalamus und Hypophyse zur vermehrten Ausschüttung von Wachstumshormonen und Testosteron, die dann wiederum Einfluss auf die Kraftentwicklung des Muskels nehmen (3).
Einen kräftigenden Effekt der WBV auf die Muskelkraft wurde bereits 2007 in Übersichtsarbeiten von Rehn et al. (1) und Nordlund et al. (4) aufgezeigt. Nordlund et al. stellten zudem fest, dass der Kraftzuwachs durch WBV gegenüber herkömmlichem Krafttraining vergleichbar ist.
Der vorliegende Review bezieht nun Studien an funktionsbeeinträchtigten Patienten mit ein, um den Nutzen für physiotherapeutische Fragestellungen herauszuarbeiten.

Alternative zum herkömmlichen Training

Herkömmliches Krafttraining erfordert einen hohen Zeitaufwand, Motivation und Compliance des Trainierenden. Vor allem bei älteren Menschen kann die Ausübung eines Krafttrainings aufgrund von Nebenerkrankungen mit Herz-Kreislauf-Beteiligung schwierig sein (5, 6). Auch in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten ist das Krafttraining wegen der häufig beeinträchtigten Konzentrationsfähigkeit und erhöhten Stressanfälligkeit nur unter erschwerten Bedingungen ausführbar (7). Vor diesem Hintergrund kann die Anwendung von WBV eine Alternative zum Krafttraining darstellen oder als zusätzliche Behandlungsmethode in der physiotherapeutischen Arbeit eingesetzt werden. Hierzu muss jedoch erst geklärt werden, ob die WBV die Kraftentwicklung des Muskels beeinflusst und ob es einen Unterschied gegenüber herkömmlichem Krafttraining oder einer Plazebo-Intervention gibt. Dieser Fragestellung wurde in der vorliegenden Arbeit nachgegangen.

Methodik

Auswahlkriterien

Um sicherzustellen, dass nur qualitativ hochwertige Studien in dieser Analyse Berücksichtigung finden, wurden randomisiert kontrollierte Studien einbezogen. Die zu untersuchende Personengruppe sollte gesunde untrainierte Personen oder Patienten mit Erkrankungen, die funktionelle Einschränkungen zur Folge haben, umfassen. Freizeitsportler oder Hochleistungssportler wurden ausgeschlossen.
Als Vergleichskriterium galt die Anwendung von WBV in der Experimentalgruppe und Krafttraining oder eine Plazebo-Vibration in der Kontrollgruppe. Den Zielparameter stellte die Muskelkraft dar.

Suchmethode

Die Suche nach geeigneten Studien umfasste die Datenbanken PubMed und Cochrane. Um größtmögliche Aktualität zu erzielen, erstreckte sich der Untersuchungszeitraum auf die letzten 10 Jahre, rückwirkend von Dezember 2008. Als Suchbegriffe wurden in PubMed die Begriffe »Whole Body Vibration« und »strength« eingegeben, verknüpft mit AND. Über Limits wurde die Recherche darüber hinaus auf englisch ...

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