Skoliose +++ Korrekturübungen +++ Gocht-Geßner +++ Muskelkontraktion +++ Hausübungsprogramm
Korrekturübungen nach Gocht-Geßner
Edeltraud Diefenbach
Auf einen Blick
Der erste bekannte Skoliosepatient war Tut Ench Amun. Er litt unter einer osteopathischen Skoliose, die ihn in eine schiefe Haltung und an einen Stock zwang. Wir wissen zwar nicht, ob und wie Tut Ench Amuns Skoliose behandelt wurde, doch zum heutigen Behandlungsreper toire gehören unter anderem die Korrekturübungen nach Gocht-Geßner, die Ihnen die Autorin in diesem Beitrag vorstellt.
Gezielte Muskelaktivität
Bei der Korrektur einer Rumpfdeformierung (Abb. 1) nach der Methode Gocht- Geßner (siehe Glossar) versucht man die hervorstehenden Rumpfpartien durch Muskelkontraktion zu beeinflussen. Der Einsatz gezielter Muskelkontraktion bewirkt die gleichzeitige Korrektur der Seitverbiegung und der Rotation. Dabei dienen die Rippen als unterstützende Hebel. Wenn beispielsweise konvexseitig der M. latissimus dorsi anspannt, übt er einen Druck auf den Rumpf dorsolateral aus und kann so die Deformierung korrigieren.
Korrekturspannung
Die Korrekturübungen beginnen mit der Streckung der Wirbelsäule, welche die Richtung für die Wirkung der Korrekturspannung vorgibt. Die Streckung ist je nach Deformierungsgrad nur annähernd zu erreichen. Wichtig ist die Ausrichtung des Rumpfes entlang der Frontalachse und so weit möglich in der Frontalebene. Auf diese Grundspannung wird die Korrekturspannung der Muskulatur ge - setzt. Sie bewirkt das »Shifting« oder »Schmalmachen« des entsprechenden Rumpfbereiches. Die Korrekturspannung der Rumpfmuskeln wird durch ganz bestimmte Arm- beziehungsweise Beinbewegungen konvexseitig eingeleitet und teilweise durch kurze taktile Reize unterstützt.
Geßnersche Terminologie
Wird eine Krümmung mit dieser Methode korrigiert, ist die Verstärkung aller Gegenkrümmungen zu verhindern deshalb müssen diese »gesichert« werden. Dies ist Teil der Geßnerschen Terminologie, jedoch leider etwas missverständlich. Denn eigentlich wird nicht die Nebenkrümmung gesichert, sondern ihre kompensatorische Verstärkung verhindert. Die »Sicherung« geschieht, wie die Korrektur, durch eine Spannungserhöhung der Rumpfmuskulatur, aber dieses Mal im Bereich der Konvexität (siehe Glossar) der Nebenkrümmung und mit geringerer Intensität. Eingeleitet wird auch diese Spannung zunächst durch die Extremitätenmuskulatur. Zusätzlich zum Shifting erlernen die Patienten im Rahmen einer speziellen Atemtherapie die »Konkavatmung« zur Vergrößerung der Atembewegung in den Rippentälern. ...
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Abb. 1_Bei dieser Patientin müsste der Druck von schräg rechts hinten unten nach links vorn oben erzeugt werden | |
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