WISSENSCHAFT_SYSTEMATISCHER REVIEW

Leidlinie versus Leitlinie

Interpretation am Beispiel des unspezifischen akut-subakuten lumbalen Rückenschmerzes

Thomas Messner

Lesen Sie auch
LEHRE WISSENSCHAFT VERSTEHEN
Entwicklung von Leitlinien
Tanja Bossmann
PRAXIS_WISSENSCHAFT TRANSFER
Therapeut und Coach
Thomas Messner

Zusammenfassung

Einleitung: Die Leitlinie unterstützt den Mediziner bei der diagnostischen und therapeutischen Entscheidungsfindung. Auch im physiotherapeutischen Bereich besitzen Guidelines einen zunehmenden Einfluss. Sie spielen eine führende Rolle, ob direkt bei der Behandlung oder durch Einfluss auf die Kostenträger und überweisenden Ärzte.

Methode: In dieser Übersichtsarbeit wurde eine systematische Recherche in den Datenbanken PEDro und PubMed durchgeführt, um internationale Leitlinien im Bereich des unspezifischen Rückenschmerzes zu identifizieren. Durch die Extraktion der Empfehlungen leiteten sich zwei neue Fragestellungen ab.

Ergebnisse: Einige therapeutisch relevante Empfehlungen wurden am Beispiel einer aktuellen Leitlinie betrachtet. Fast immer wurde darauf hingewiesen, dem Patienten zu empfehlen, sich körperlich aktiv zu verhalten. Eine spezifische physiotherapeutische Übungsbehandlung wurde hingegen nicht immer empfohlen.

Schlussfolgerung: Die Literaturanalyse zeigte, dass diese Empfehlungen differenziert zu betrachten sind und an einigen Stellen noch konkretisiert
werden müssen, wenn eine therapeutische Hilfestellung abgeleitet werden soll. Durch weitere wissenschaftliche Erkenntnisse
können die Leitlinien für den therapeutischen Bereich weiterentwickelt werden.

Schlüsselworte: Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz, Aktivitätsförderung, spezifische physiotherapeutische Übungsbehandlung


Tab. 1_Übersicht der Leitlinienempfehlungen

Einleitung

Vor- und Nachteile
Die Leitlinie – des einen Geleit, des anderen Leid. So könnte eine realistische Einschätzung zum Begriff Leitlinie (Guide line) aussehen. Viele Therapeuten schätzen die Leitlinie als Zusammenfassung externer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Andere wiederum befürchten eine Beschneidung therapeutischer Wahlfreiheiten und eine Fremdbestimmung ihrer beruflichen Tätigkeit im Sinne einer Kochbuchtherapie oder einen Einfluss auf die Rezeptausstellung des Arztes. Die Stärken und Schwächen von Leitlinien und deren Empfehlungen liegen auf der Hand und sind besonders im Zusammenhang mit der evidenz - basierten Medizin schon hinreichend diskutiert worden (1, 2).

Leitlinien sollen unterstützen
»Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen (»statements«), um die Entscheidungen von Klinikern und Pa - tienten über eine angemessene Gesundheitsversorgung für spezifische klinische Umstände (»situations«) zu un ter - stützen« (1). In dieser Definition hat das letzte Wort eine entscheidende Bedeutung.

Wie bereits 2007 von Gesche Bollert (3) in dieser Zeitschrift dargelegt, soll die Leitlinie keine Behandlungsansätze vorgeben oder gar vorschreiben. Vielmehr geht es darum, neben der klinischen Erfahrung des Therapeuten und den Wünschen und Präferenzen des Patienten eine dritte Säule bei der Festlegung therapeutischer Entscheidungen zu berücksichtigen.

Deren Beurteilung kann jedoch nur gelingen, wenn die Leitlinie nicht unreflektiert gelesen und wenn der Aufbau und Inhalt kritisch betrachtet wird. Ein Kernpunkt dabei ist die Analyse der grundlegenden Literatur, die ...

weiter ... (für pt_Abonnenten)


Sie haben noch kein _Abonnement?
Profitieren Sie von dem umfangreichen Angebot für _Abonnenten!

Bestellinformationen


Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 © Pflaum Verlag www.physiotherapeuten.de