LEHRE_WISSEN

Adjuvante Elektrotherapie +++ Analgesie +++ Schmerzschwelle +++ Schmerzhemmung +++ Knie-TEP

Adjuvante Elektrotherapie

Erklärungsansätze für die analgetische Wirkung verschiedener Stromformen

Frank-P. Bossert

Abb. 1: Kern der »Gate-Control«-Theorie ist die Annahme, dass es im Hinterhorn des Rückenmarks einen Mechanismus gibt, der wie ein »Tor« funktioniert und die Weiterleitung nozizeptiver Reize blockiert
Foto: Stephen Sweet©fotolia.de

Auf einen Blick

Ein wesentliches Kriterium für den Heilungsverlauf, zum Beispiel nach orthopädischen und unfallchirurgischen endoprothetischen Eingriffen am Bewegungsapparat, ist die Veränderung der Schmerzschwelle. Verschiedene Stromformen haben eine analgetische Wirkung und können als adjuvante Therapie eingesetzt werden. Lesen Sie in diesem Beitrag über die neurophysiologischen Hintergründe und ein Anwendungsbeispiel aus der Praxis.


Hintergrundwissen Elektrotherapie

Schmerzen messen
Die Bestimmung der analgetischen Wirksamkeit verschiedener Stromformen in der Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände ist stark von den subjektiven Aussagen der Patienten abhängig. Die Äußerungen von Patienten über Schmerzen können beispielsweise mittels visueller Analogskala (VAS) – einem semiquantitativen Verfahren – erfragt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die Bestimmung der Druckschmerzschwelle (DSS) mithilfe eines einfachen Pressure-Algometers. Eine Arbeitsgruppe aus der Klinik für Physikalische Medizin der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München entwickelte eine automatisierte Methode zur Präzisierung der DSS und untersuchte verschiedene Stromformen auf ihre analgetische Wirksamkeit (1-3).

Galvanischer Gleichstrom
Die Schmerzlinderung über eine dämpfende Wirkung des applizierten galvanischen Gleichstroms ist bereits seit 1990 bekannt. Die überschwellige Gesamtmenge an Erregungen über die Nozizeptoren wird durch den applizierten Strom reduziert.

Diadynamische Ströme
Die diadynamischen Ströme (»La thérapie diadynamique«) wurden erstmalig vom französischen Zahnarzt Pierre D. Bernard 1952 beschrieben. Es handelte sich um ein Zufallsprodukt, ausgelöst durch einen fehlerhaften Elektrobohrer, wobei der betroffene Patient eine analgetische Wirkung erfuhr. Viele Jahre wurden diese Ströme ohne experimentelles Fundament rein auf empirischer Basis eingesetzt.

»Gate-Control-Theorie« als Erklärungsansatz
Die Arbeitsgruppe der LMU München (1-3) fand heraus, dass während der 20-minütigen Behandlungsphase mit diadynamischen Strömen (Modulation DF) die DSS-Messwerte von Anode, Kathode und Kontrollpunkt nahezu parallel anstiegen. Dieser Anstieg setzte sich auch nach Behandlungsende tendenziell in abgeschwächtem Maße fort.
Die analgetische Wirkung der diadynamischen Ströme beruht auf der »Gate- ...

weiter ... (für pt_Abonnenten)


Sie haben noch kein _Abonnement?
Profitieren Sie von dem umfangreichen Angebot für _Abonnenten!

Bestellinformationen


Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 © Pflaum Verlag www.physiotherapeuten.de