PRAXIS_FALLBERICHT

Supinationstrauma +++ Sympathische Reflexdystrophie +++ Bindegewebe +++ Locus minoris resistentiae

Supinationstrauma

Nicht nur ein Problem des oberen Sprunggelenks!

Klaus G. Weber

Abb. 1: Weber-B-Fraktur; die Pfeile zeigen die Fraktur

Auf einen Blick

Beim Supinationstrauma wird die Kraft vom Bandapparat des äußeren Sprunggelenks weitergeleitet über das Wadenbein, die Faszia lata, und die Bindegewebshülle des M. tensor fasciae latae und des M. gluteus maximus bis zum kaudalen Rand des Beckenkamms. Es können neben Kniebeschwerden, Schmerzen im Tractus und Reizungen der Bursa trochanterica diffuse, schwer zuzuordnende Beschwerden im Becken auftreten. Lesen Sie am konkreten Beispiel, wie der Autor mit sanften Techniken behandelt.


Fallbeispiel

Anamnese
Ein Familienausflug auf der schwäbischen Alb – die Kinder hüpfen fröhlich den steilen Pfad am Albtrauf hinunter. Frau M., die besorgte Mutter, eilt hinterher, ein Stein rutscht unter ihr weg, sie knickt mit dem Fuß um und ein stechender Schmerz schießt ihr im Bein empor. Unter kaum erträglichen Schmerzen quält sie sich mithilfe ihres Mannes den Steilhang hinab. Noch am selben Tag wird in der Klinik eine Weber-B-Fraktur (Abb. 1) der rechten Fibula operativ versorgt (Abb. 2).
Die primäre Wundheilung nach der Operation verlief normal. Die junge Frau sollte das Bein zunächst ruhigstellen und durfte dann zunehmend teilbelasten.

Komplikationen im Heilungsverlauf
Bald klagte die Patientin zunehmend über Beschwerden. Als die Fäden gezogen wurden, erwartete Frau M. eine Linderung lästiger neuralgischer Beschwerden im Bereich der Narbe. Doch anstatt sich abzuschwächen, nahm die Berührungssensibilität, die spontane Schmerzintensität nach geringer Belastung zu und es prägte sich langsam ein Ödem im Knöchelbereich aus. Kühlung half wenig. Eine Lokalanästhesie des Narbengebietes führte zu einem vorübergehenden Abklingen des Ödems und der Schmerzen. Diese Reaktion kann als Hinweis auf eine beginnende efferente sympathische Reflexdystrophie (siehe Glossar) gewertet werden. Für die Behandlung hat sich die Entlastung der Gewebe proximal der Traumaeinwirkung bewährt.

Untersuchung
Bei einer erweiterten Untersuchung stellten sich neben den lokalen Veränderungen im Bereich des Außenknöchels folgende Befunde heraus: Druckschmerz über der proximalen Hälfte der Membran interossea zwischen Fibula und ...



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