Die Aussagekraft der Tests McMurray, Apley uund der Druckdolenz im Gelenkspalt für den physiotherapeutischen Befund
Heike Driemeyer
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Zusammenfassung
Einleitung: Knieschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Sie erfordern eine Differenzialdiagnostik, um akute oder chronische Meniskusverletzungen herausfiltern zu können. Doch wie valide sind die Meniskustests McMurray, Apley und die Druckdolenz im Gelenkspalt als Zusatztests im physiotherapeutischen Befund?
Methode: Die systematische Literatursuche erfolgte in den Datenbanken PubMed, Cochrane Library, SPORTDiskus und SPOLIT. Die Testgüte wurde anhand der Werte für Sensitivität und Spezifität überprüft. Die methodologische Qualität der Diagnostikstudien wurde mit dem Messinstrument QUADAS bewertet.
Ergebnisse: Elf Diagnostikstudien konnten in die Literaturübersicht eingeschlossen werden. Acht Studien untersuchten den McMurray-Test, sieben Studien die Druckdolenz im Gelenkspalt und vier Studien den Apley-Test. Insgesamt zeigten sich alle drei Tests eher spezifisch,jedoch nicht sensitiv. Die Werte fielen nicht schlechter aus als wie die einer Magnetresonanztomografie (MRT).
Schlussfolgerung: Das Ergebnis ist mit Vorsicht zu betrachten, da die Studien sich heterogen gestalteten und eine mäßige methodologische Qualität aufwiesen. Weitere Forschung ist notwendig. Hier scheint die Kombination von Tests zukunftsweisend zu sein.
Schlüsselworte: Meniskus, McMurray-Test, Apley-Test, Druckdolenz im Gelenkspalt, Sensitivität, Spezifität
Knieschmerzen stellen ein häufiges Leiden in der Bevölkerung dar. Einen Anteil daran tragen die Kniegelenksmenisken, die durch ihren avaskulären Teilbereich zur Degeneration neigen und die häufigsten Knieaffektionen verursachen (1).
Die Menisken müssen starken Belastungen durch Sport und Beruf standhalten, degenerieren aber auch durch Immobilität, da die Grundsubstanz
dann an Wasser und Kollagen verliert und die Belastbarkeit sinkt. Sie absorbieren die Druckbelastungen auf das Kniegelenk, vergrößern die Stabilität und die Kongruenz der Gelenkflächen und unterstützen die Gelenkschmierung (2).
Häufigkeit
Plötzliche akute Sportverletzungen sind von Rissen chronisch degenerierter Menisken zu unterscheiden. Der innere Meniskus ist etwa dreimal häufiger betroffen als der äußere, da er anatomisch mit dem Kapselbandapparat verwachsen und hierdurch weniger beweglich ist (3).
Feste Zahlen sind für Deutschland schwierig zu eruieren. Die niederländische Gesellschaft für Physiotherapie (3) berichtet von 38.023 Meniskektomien im Jahr 2004. Meserve et al. (4) beschreiben 3,7 Millionen Amerikaner, die im Jahr 1999 ihren Allgemeinmediziner wegen Knieschmerzen aufsuchten.
Differenzialdiagnostik
Hausärzte, Physiotherapeuten in Ländern, in denen der Direktzugang möglich ist, Orthopäden und Sportmediziner müssen sich mit der Differenzialdiagnostik auseinandersetzen. Hierzu zählen auch zahlreiche Meniskustests. Diese Tests sind auch schon immer Bestandteil des physiotherapeutischen Befunds gewesen, um eventuelle Kontraindikationen zu erkennen und therapeutische Konsequenzen abzuleiten.
Wichtige Kenntnis der Testgüte
Der Direktzugang ist Teil der Diskussion des Professionalisierungsprozesses der Physiotherapie in Deutschland. Eine Profession strebt fortlaufend nach Erkenntnissen aus eigener Wissenschaft und Bezugswissenschaften (5). Der Umgang mit Testverfahren sollte standardisiert und die Testgüte bekannt sein.
Ziel
Diese systematische Übersichtsarbeit hat das Ziel, die drei bekanntesten Tests: McMurray, Apley und Druckschmerz im Gelenkspalt auf ihre Testgüte hin zu untersuchen. Wie hoch ist die Aussagekraft dieser Tests für den physiotherapeutischen Befund?
Suchstrategie
Die Literaturrecherche erfolgte im November und Dezember 2008. Die Suche wurde in den Datenbanken PubMed, Cochrane Library, SPORTDiscus und SPOLIT vorgenommen. Einschränkungen erfolgten durch die Verknüpfung mit AND, die Beschränkung auf »humans« sowie auf englisch- und deutschsprachige Diagnostikstudien. Die Suche in der Cochrane Library, SPORTDiscus und SPOLIT erbrachte keine zusätzlichen Treffer (Tab. 1).
Auswahlkriterien
Der Zeitraum der Veröffentlichung beschränkte sich auf die letzten 15 Jahre (1993-2008). Die Testgüte musste durch die Werte für Sensitivität und Spezifität aufgezeigt werden, jeweils für einender drei Meniskustests. Zur Feststellung der Kriterium-Validität (siehe Glossar) sollten die Ergebnisse mit dem Referenzstandard Arthroskopie oder Arthrotomie verglichen worden sein. Auch die Vergleichsdiagnostik mit der Magnetresonanztomografie (MRT) war geeignet, wenn in der Studie ein gesunder Probandenanteil eingeschlossen war (6).
Die Probanden sollten Knieschmerzen aufweisen, durch die ein Verdacht auf Meniskusverletzungen bestand, jedoch auch auf andere Pathologien wie zum Beispiel Bandverletzungen, freier Gelenkkörper (siehe Glossar) oder Retropatellararthrose. Negative Ergebnisse der Meniskustests sollten in die Stichprobe mit eingeschlossen sein.
Die Altersgruppierung wurde nicht eingeschränkt, da degenerative ...
Tab. 1: Suchabfolge für den McMurray-Test in PubMed
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