LEHRE_STUDIUM

ASH Berlin +++ Studentenprojekt +++ Ärztliche Verordnung +++ Direktzugang (DZ) +++ Blankoverordnung (BV)

Mehr Handlungsautonomie für Patienten und Physiotherapeuten

Wie denken Patienten und Kollegen darüber?

ASH-Projektgruppe »Neuverteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen«

Auf einen Blick

Eine Studentengruppe der Alice Salomon Hochschule (ASH) Berlin führte in Berliner Praxen eine Befragung zu Direktzugang und Blankoverordnung durch. Professorin Jutta Räbinger und ASH-Dozentin Martina Glück betreuten das Projekt. Die Therapeuten wollten herausfinden, ob und wie die bisherige Verordnungspraxis verbessert werden kann. In diesem Beitrag stellt Ihnen die Projektgruppe ihre wichtigsten Erkenntnisse vor.


Aktuelle Diskussion

Neuverteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen

Im Rahmen eines studentischen Projekts beschäftigten wir uns an der Alice Salomon Hochschule Berlin mit der aktuellen Diskussion zur Aufgabenneuverteilung im Gesundheitswesen. Unser Ziel war es herauszufinden, wie das bisherige Verfahren ärztlicher Verordnungen umgestaltet werden kann, so dass der Ablauf vereinfacht und die Einführung des Direktzugangs (DZ) vorbereitet wird.

Blankoverordnung als erster Schritt?

Eine Möglichkeit stellt für uns die Einführung einer Blankoverordnung (BV) dar. Hierbei handelt es sich um eine vom Arzt ausgestellte Verordnung, die dem Therapeuten die freie Wahl lässt, über Art, Dauer und Frequenz der Behandlung zu entscheiden.

Befragung

Jede fünfte Verordnung war fehlerhaft

Zunächst ermittelten wir in elf Praxen über vier Wochen die Anzahl fehlerhafter Verordnungen. Das Ergebnis war ernüchternd: jede fünfte Verordnung bedurfte einer Änderung, womit ein erheblicher Mehraufwand im Praxisalltag verbunden ist.
Im Anschluss folgten weitere Befragungen mit dem Ziel, die Akzeptanz sowohl des DZ als auch der BV bei Patienten und Therapeuten zu ermitteln. Insgesamt verteilten wir 170 Fragebogen an Patienten und 80 an Therapeuten in Berliner Praxen. Der Rücklauf betrug 66,5 Prozent von den Patienten beziehungsweise 68,8 Prozent von den Therapeuten.

Mehraufwand wird nicht vergütet

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bearbeitung fehlerhafter Verordnungen mit einem erheblichen Mehraufwand für die Therapeuten verbunden ist, der in keiner Weise vergütet wird. Durch die Einführung einer BV könnte sich die Fehleranfälligkeit der ärztlichen Verordnungen reduzieren beziehungsweise ganz entfallen.
Bemerkenswert ist die hohe Zustimmung der Patienten und Therapeuten sowohl für die BV als auch für den DZ.

Tendenz erkennbar

Aufgrund der kleinen Stichprobe können die Daten nicht repräsentativ gewertet werden. Sie weisen jedoch eine Tendenz auf, die sich in Ländern, in denen der DZ schon eingeführt ist, bestätigt hat. Für die Niederlande und Schottland ist sogar belegt, dass die Physiotherapie im Fall des DZ wirksamer und wirtschaftlicher ist als im Fall der ärztlichen Verordnungen.
In diesen Ländern findet die Ausbildung der Physiotherapeuten, die für den DZ zugelassen sind, auf akademischem Niveau statt oder es wird eine entsprechende Zusatzausbildung verlangt. ...

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