Inwieweit beeinflusst ein vestibuläres Rehabilitationstraining (VR) die vestibuläre Kompensation bei Neuropathia vestibularis günstig?
Friederike Keifel
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Zusammenfassung
Einleitung: Die Neuropathia vestibularis zählt hinter dem benignen peripheren paroxysmalen Lagerungsschwindel zu den am zweit häufigsten peripheren Schwindelerkrankungen. Die Patienten leiden im Akutstadium teilweise sehr stark unter den vegetativen Symptomen Schwindel und Brechreiz. Im Kompensationsstadium reduzieren sich diese. Diese Arbeit untersucht die Effektivität von vestibulärem Rehabilitationstraining (VR).
Methode: Die Literaturrecherche wurde in den elektronischen Datenbanken PubMed / Medline, PEDro und Cochrane durchgeführt. Eingeschlossen wurden Studien, die ein Schwindeltraining bei Neuropathia vestibularis beschreiben und einen Wert vier auf der PEDro-Skala aufweisen.
Ergebnisse: 11 randomisierte kontrollierte Studien (RCT), eine klinische Studie (CT) und vier Reviews wurden analysiert. Die gesichtete Literatur zeigt eine mittlere bis gute Evidenz für ein vestibuläres Rehabilitationstraining.
Schlussfolgerung: Das vestibuläre Rehabilitationstraining ist sehr gut in die physiotherapeutische Arbeit integrierbar, da es einfach umzusetzen ist und ohne teure Apparate angewendet werden kann.
Ein häufiges Problem
Physiotherapeuten werden in ihrer täglichen Arbeit immer häufiger mit Patienten konfrontiert, die unter Schwindel leiden. Denn jeder zehnte Patient, der eine Arztpraxis aufsucht, beklagt Schwindelsymptome. Die Patienten haben das Gefühl, dass sich die Umwelt dreht, die Umgebung schwankt oder der eigene Körper sich hebt, dreht oder fällt. Als vegetative Begleitsymptomatik geben die Betroffenen oft Übelkeit und Erbrechen auch Nausea-Komplex genannt an. Der Schwindel entsteht durch ein Ungleichgewicht der vestibulären, visuellen und somatosensorischen Wahrnehmung. Das Zusammenspiel dieser Wahrnehmungen wird für die Orientierung im Raum benötigt (1).
Klassifikation
Der Schwindel wird in zwei Gruppen klassifiziert:
Beim zentralen Schwindel kann es zu einer Dysfunktion des Hirnstamms, des Zerebellums, des Thalamus, der vestibulären Bahnen oder der vestibulären Areale im Kortex kommen. Im Gegensatz zum peripheren Schwindel reduziert sich dieser Schwindel durch Schließen der Augen. Der zentrale Schwindel kann unter anderem durch Multiple Sklerose, Hirntumore, Hirntraumen und vaskuläre Störungen hervorgerufen werden.
Der periphere Schwindel entsteht durch eine Läsion im Bereich des Labyrinths oder des Nervus vestibulocochlearis (Abb. 1). Eine Schädigung des Labyrinths kann in Form eines Ausfalls oder eines Reizzustands in Erscheinung treten. Dieser Schwindel wird durch Dunkelheit oder durch Schließen der Augen ausgelöst und verstärkt. Als Ursache für eine unilaterale Schädigung wird eine Otitis (siehe Glossar), eine Felsenbeinfraktur oder ein Morbus Menière (siehe Glossar)Symptomkomplex beschrieben. Eine bilaterale Schädigung kann durch eine medikamentöse Intoxikation durch Antibiotika auftreten (2).
Neuropathia vestibularis
Die vorliegende Übersichtsarbeit beschreibt aus der Gruppe des peripheren Schwindels die Neuropathia vestibularis. Als Synonyme werden auch Neuronitis vestibularis oder akuter einseitiger Vestibularisausfall verwendet. Objektive Zeichen sind ein rotatorischer Spontannystagmus (siehe Glossar) zur gesunden Seite, Fallneigung zur betroffenen Seite, Verstärkung der Beschwerden durch Provokation, aber kein Hörverlust.
Biesinger & Iro (3) beschrieben zwei Stadien der Neuropathia vestibularis: das Akutstadium, in dem die oben beschriebenen Symptome auftreten, und das Kompensationsstadium. Im Kompensationsstadium reduzieren sich die vegetativen Symptome und der Spontannystagmus verlangsamt seine Frequenz, bis er ganz verschwindet. Es kann auch zu einer Umkehrung des Spontannystagmus kommen. Dies wird als mögliche Erholung des ausgefallenen Vestibularorgans gewertet. Durch den Drehstopp- und Drehpendeltest (siehe Glossar) kann die zentrale Kompensation ausgetestet werden. Durch diese rotatorischen Tests werden beide Vestibularorgane gleichzeitig erregt. Bei fehlender zentraler Kompensation zeigt sich eine deutliche Seitendifferenz im Vergleich der Rechts- und Linksdrehung. Zu Behandlungsbeginn werden Ruhigstellung des Erkrankten und eine medikamentöse Therapie empfohlen (3).
Empfehlung der AWMF-Leitlinie
Ein Vergleich mit der AWMF-Leitlinie Neuritis vestibularis bestätigt die oben aufgeführten Behandlungsaspekte. Der Empfehlungsgrad wird wie folgt angegeben:
Abb. 1:
Der periphere Schwindel entsteht zum Beispiel
durch eine Läsion im Bereich des Labyrinths;
das Labyrinth besteht aus den 3 Bogengängen,
dem Vorhof und der Hörschnecke
Foto: OOZ©fotolia.de
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