Praktische Ausbildung +++ Lernortkooperation +++ Vernetzung +++ Praxisanleiter +++ Mentoren
Instrument zur methodischen Gestaltung der praktischen Ausbildung
Sabine Schmidt
Auf einen Blick
Die praktische Ausbildung wird derzeit noch stiefmütterlich behandelt, obwohl deren Bedeutung für die Entfaltung physiotherapeutischer Handlungskompetenz offensichtlich ist. Mit Praxisaufträgen können die Lehrenden die praktische Ausbildung strukturieren und aufwerten. Die Autorin zeigt Ihnen in diesem Beitrag mögliche Wege auf.
Keine allgemeingültigen Hinweise
Die Physiotherapieausbildung in Deutschland wird inhaltlich und rechtlich durch das Masseur- und Physiotherapeutengesetz (1) und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (2) bestimmt. Dort findet man Angaben zu Ausbildungsablauf, Prüfungen, Zuständigkeiten und Lerninhalten. Hinweise zu Lernkonzepten, Methoden und pädagogischer Gestaltung dieser Vorgaben lassen sich in den Gesetzen nicht finden. Die didaktische Interpretation der Vorgaben obliegt aufgrund föderalistischer Strukturen (siehe Glossar) den Bundesländern und den einzelnen Schulen.
Neuerungen beziehen sich vorwiegend auf den Lernort Schule
Bestrebungen zu einer didaktischen Ausgestaltung der gesetzlichen Vorgaben lassen sich beispielsweise in Nordrhein-Westfalen finden. Hier entstand unter Mitwirkung zahlreicher Akteure die »Empfehlende Ausbildungsrichtlinie für staatlich anerkannte Physiotherapieschulen in Nordrhein-Westfalen« (3) nach dem Lernfeldansatz. Auch in anderen Bundesländern wie Bayern (4) oder Niedersachsen (5) soll die physiotherapeutische Ausbildung nach dem Lernfeldkonzept gestaltet werden. Die durch die 2009 eingeführte Modellklausel ermöglichte Erprobung neuer Ausbildungsformen auf Hochschulebene bietet ebenfalls Optionen für curriculare Veränderungen, wodurch neue Lernmethoden in die Physiotherapieausbildung eingehen könnten. Jedoch beziehen sich aktuelle curriculare Neuerungen überwiegend auf den schulischen Ausbildungsteil. Die praktische Ausbildung wird curricular und methodisch vernachlässigt.
Derzeitige Situation
Die Bedeutung der praktischen Ausbildung für die Entfaltung physiotherapeutischer Handlungskompetenz ist offensichtlich (siehe Hinweis). Ihre methodische Gestaltung findet jedoch kaum Beachtung und die Ausbildung am Lernort Praxis läuft häufig unstrukturiert und unreflektiert ab. Die Schüler arbeiten Patienten ab und werden dabei nicht von Praxisanleitern begleitet, denn für die Physiotherapieausbildung sind Praxisanleiter mit einer berufspädagogischen Ausbildung nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Die Begleitung der Schüler erfolgt vor Ort über Mentoren oder durch Lehrkräfte der Schulen (1, 2). Erfahrungen aus den Praktika finden wenig Eingang in den Unterricht und werden dort selten aufbereitet. Die Gestaltung der Praxisphasen erfolgt nicht methodisch-didaktisch, sondern orientiert sich an organisatorischen und strukturellen Gegebenheiten. Selten gibt es ein Praxiscurriculum oder ein praktisches Ausbildungskonzept. Daher ist es eine Herausforderung für die nahe Zukunft, die praktische Ausbildung verstärkt in didaktische Konzepte zu integrieren und methodisch aufzubereiten. ...
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