PRAXIS_MANAGEMENT

Notfallmanagement +++ Rettungskette + Aufgabenteilung +++ Patientenanamnese +++ Ersthelfer

Krampfanfall während der Therapie

Überlegungen zum Notfallmanagement in einer Praxis für Physiotherapie

Christian Paul

Auf einen Blick

Erkrankt oder verunglückt ein Patient oder Mitarbeiter in einer Physiotherapiepraxis, muss das Personal in der Lage sein, nach gültigen Standards eine qualifizierte Erste Hilfe zu leisten. Der folgende Beitrag erläutert Ihnen anhand eines realen Falls beispielhaft das Notfallmanagement in einer physiotherapeutischen Einrichtung. Dabei werden Ihnen vor allem organisatorische Besonderheiten dargestellt, denen im Ernstfall eine besondere Rolle zukommt.


Kasuistik

Notruf

Am frühen Abend geht in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Köln ein Notruf aus einer Physiotherapiepraxis ein. Die Anruferin berichtet, ein Patient habe einen Krampfanfall. Daraufhin werden der am nächsten stationierte Rettungswagen (RTW) sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) alarmiert. Der RTW erreicht den Notfallort zuerst, eine Angestellte erwartet die Rettungsassistenten (RA) am Straßenrand. Sie führt die beiden in die Praxis und stellt sich anschließend erneut vor den Eingang, um den nachfolgenden Notarzt (NA) zu empfangen.

Erste Beurteilung der Situation

Den RA zeigt sich folgendes Bild: In einer Behandlungskabine liegt rücklings auf einer Therapiebank ein etwa 30 Jahre alter, schweißgebadeter Mann. Er ist bewusstlos und zeigt klonische Entäußerungen der Arme und des Rumpfs. Die Augen sind weit aufgerissen und verdreht. Zwei Physiotherapeutinnen flankieren ihn und schützen ihn vor Verletzungen.

Sie berichten, der Patient leide seit einem Verkehrsunfall mit Schädel-Hirn-Trauma (SHT) vor 13 Jahren an einer Paraplegie (siehe Glossar) und sitze im Rollstuhl. Er sei heute zum ersten Mal zur Behandlung gekommen. Schon bei seiner Ankunft habe er auffallend erschöpft gewirkt und wegen starker Verspannungen im Schulter-Arm-Bereich habe er zuerst eine 20-minütige Heißluft-Therapie erhalten, so eine der Therapeutinnen. Anschließend sei eine physiotherapeutische Behandlung erfolgt, in deren Verlauf er dann kollabiert sei und zu krampfen begonnen habe.

Parallel zum Anamnesegespräch kontrollieren die RA die Vitalzeichen und untersuchen den Patienten grob orientierend. Sie vermuten einen epileptischen Krampfanfall als Langzeitfolge des SHT. Der Kollabierte bekommt mittels einer Nasensonde Sauerstoff zugeführt, ein peripherer Venenzugang sowie eine Infusion werden vorbereitet.

Korrektur der ersten Arbeitshypothese

Der eintreffende NA wird über die Lage informiert. Er teilt die Einschätzung der RA und versucht, den Krampfanfall durch eine intravenöse Gabe von Diazepam (siehe Glossar) zu durchbrechen. Da der Anfall jedoch nicht sistiert, kommen dem NA Zweifel an der Arbeitshypothese. Er durchsucht die Kleidung des Patienten nach brauchbaren Hinweisen. Dabei findet er einen Blutzuckerpass sowie einen Insulin-Pen (siehe Glossar). Eine Hypoglykämie als Ursache des Krampfanfalls liegt nun nahe. Der unter der Nachweisgrenze des Messgeräts rangierende Blutzuckerwert bestätigt dies. ...



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