WISSENSCHAFT_KLINISCHE STUDIE

Chronobiologische Frührehabilitation nach Schlaganfällen

Unkontrollierte Studie

Thomas Friedel, Alfred Meier-Koll

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Zusammenfassung

Einleitung: Die vorliegende Studie sollte klären, wie oft und wie lange Patienten nach einem frischen Schlaganfall den Belastungen einer Physiotherapie standhalten können.

Methode: Studenten der privaten Fachhochschule Nordhessen (Studienzentrum Friedrichshafen) wurden als Therapeuten für ihren Einsatz in der Stroke Unit des Klinikums Friedrichshafen angeleitet 21 Schlaganfallpatienten zu behandeln. Die Patienten durften selbst bestimmen, wann und wie lange sie behandelt werden wollten.

Ergebnisse: Mithilfe einer Autokorrelationsanalyse konnten in den protokollierten Zeitreihen der Therapieblöcke unterschiedliche Perioden von 40 bis 120 Minuten erkannt werden. Solche ultradianen Rhythmen wurden für eine Vielzahl physiologischer und kognitiver Funktionen beschrieben. Sie werden wahrscheinlich von neuronalen Strukturen des Hirnstamms erzeugt und beiden Hirnhemisphären aufgeprägt.

Schlussfolgerung: Die 21 Patienten dieser Studie schienen mehrheitlich eigenen Ruhe-Aktivitätszyklen gefolgt zu sein, die sich in den periodischen Folgen ihrer Therapieblöcke widerspiegelten. Die Übungsbehandlungen wurden demzufolge jedem Patienten im Gleichgang nach dessen »innerer Uhr« angeboten. Dabei summierten sich mehrere kürzere Therapieblöcke eines Tages zu einer Gesamtdauer von 2 bis 3 Stunden, ohne den einzelnen Patienten zu überlasten.

Schlüsselworte: Schlaganfall, zentrale Lähmung, Therapieeinheiten und Ruhepausen, ultradianer Ruhe-Aktivitätszyklus, innere Uhr, Chronobiologie


Einleitung

Die Folgen eines Schlaganfalls zu mildern erfordert eine rasche medizinische Versorgung und möglichst frühzeitig ergriffene Maßnahmen der Neurorehabilitation. Insbesondere bedarf es einer frühen und ausreichenden angebotenen Physiotherapie, um zentrale Lähmungen zu begrenzen (1-4). Neuere klinische Studien belegen, dass die Neurorehabilitation umso besser gelingt, je früher und häufiger die Therapeuten mit den Patienten zu arbeiten beginnen (5-8). Die Kapazität der physiotherapeutischen Abteilung eines Klinikums reicht jedoch oft für ein verstärktes Therapieangebot nicht aus.

Gemäß einer Studie von Bernhardt et al. blieben die Patienten durchschnittlich mehr als 60 Prozent der therapeutischen Arbeitszeit alleine (9). Nur 13 Prozent dieser Zeit entfielen zusammen auf Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. Die Physiotherapie war daran nur mit durchschnittlich 23 Minuten pro Tag vertreten. Darüber hinaus schränkt die schwankende Vigilanz (siehe Glossar) eines Schlaganfallpatienten die Maßnahmen zu seiner Frührehabilitation ein. Die vorliegende Studie wurde angesetzt, um diese, von den Patienten selbst vorgegebene Grenze ihrer Belastbarkeit auszuloten. Gesetzt den Fall, es stünde eine ausreichende, therapeutische Kapazität zur Verfügung, wie viel Zeit ließe dann schwankende Patientenvigilanz und schwankende Bereitschaft zur Mitarbeit dem Therapeuten?

Die Studie konnte in Zusammenarbeit mit der Stroke Unit (siehe Glossar) des Klinikums Friedrichshafen und der Hilfe studentischer Therapeuten verwirklicht werden, die am Studienzentrum Friedrichshafen der privaten Fachhochschule Nordhessen einen Diplom- oder Bachelorstudiengang besuchen. Mit ihrer Studienteilnahme wurde es ihnen ermöglicht, Beobachtungsdaten für ihre Abschlussarbeiten zu sammeln. Alle studentischen Therapeuten wurden praktisch und wissenschaftlich von den beiden Autoren angeleitet.

Methode

Behandlung und Therapeutenanleitung

Die für diese Studie gewählte Behandlungsart greift Inhalte aus dem Konzept der Propriozeptiven-Neuromuskulären Fazilitation (PNF), dem Bobath-Konzept sowie dem Vojta-Prinzip und dem Bahnungssystem nach Brunkow auf. Für den einzelnen Patienten wurden Elemente dieser Therapiekonzepte als Module zu individuell angepassten Therapieprogrammen zusammengefügt. Alle beteiligten Therapeuten hatten bereits das Staatsexamen abgelegt oder standen im letzten Fachsemester ihrer regulären Berufsausbildung zum Physiotherapeuten.

Patientenauswahl

Ausgeschlossen blieben Patienten mit mehrfachen zusätzlichen Erkrankungen und solche, deren schlechter Allgemeinzustand selbst eine eingeschränkte Kommunikation verhinderte. Aphasische Patienten sollten Anweisungen verstehen und einer einfachen Verständigung mittels Gesten und Handzeichen fähig sein.

Die vorliegende Arbeit beruht auf einem Datenmaterial, das im Rahmen der noch laufenden Studie bisher von 21 Patienten (15 Männer und 6 Frauen) im Alter zwischen 56 und 93 Jahren gesammelt wurde. 20 Patienten hatten einen ischämischen Insult erlitten, einer einen hämorrhagischen. Bei 11 Patienten zeigte das axiale Computertomogramm ausgedehnte hypodense Bereiche von Marklager und Rinde der rechten, bei fünf Patienten der linken Hemisphäre. Für weitere fünf Patienten belegte das Kernspintomogramm einen Infarkt im Hirnstamm.

Therapiezeitplan und Protokollführung

Die Behandlung eines Patienten begann innerhalb der ersten Woche nach seiner Aufnahme und erstreckte sich über die gesamte Dauer seines Aufenthalts in der Stroke Unit und damit über einen Zeitraum von sieben bis 14 Tagen. Von jedem Patienten erstellte der physiotherapeutische Leiter im Beisein der zugewiesenen studentischen Therapeuten den Anfangsbefund und gab erste Instruktionen für die individuelle Behandlung.

Den Behandlungszeitplan durften die Patienten selbst bestimmen. Es war vereinbart, die Behandlung zu beenden, sobald ein Patient dies wünscht. Der betreuende Student sah in Abständen von 15 Minuten nach dem Patienten, um ihn zu fragen, ob seine Behandlung fortgesetzt werden könne. Willigte der Patient ein, wurde der nächste Therapieblock begonnen. Der studentische Therapeut protokollierte die Zeiten des Beginns und des Endes aller Therapieblöcke. Sofern er den Patienten schlafend antraf, hielt er auch den Beginn und das Ende seiner Schlafphasen mit der Genauigkeit von 15 Minuten fest. Darüber hinaus wurden die Mahlzeiten und alle Zeitabschnitte dokumentiert, in denen der Patient gepflegt wurde, Besuche empfing oder andere Therapien (Logopädie, Ergotherapie) erhielt.

Die Zeitreihen wechselnder Therapie- und Pausenblöcke einzelner Tage wurden in ihrer Reihenfolge von oben nach unten in Zeitkarten angeordnet. Zwei Beispiele zeigen entsprechende ...

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