LEHRE_WISSEN

Biokybernetik +++ Neuroinflammation +++ Manuelle Therapie +++ Nozizeption +++ Gate-Control-Therapie

CRPS

Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms

Henricus Johannes Maria Brils, Holger Korte, Axel Steilen, Jens Jörg Matthieu Brils

Auf einen Blick

Im ersten Teil beschrieben die Autoren frühere sowie aktuelle Definitionen des CRPS und stellten das Auftreten sowie die Krankheitssymptome auf der Basis aktueller Studien vor. Lesen Sie in diesem Beitrag nun über die Ideen der verschiedenen Behandlungsansätze und von den Ebenen, auf denen mit Manueller Therapie Einfluss auf den Krankheitsverlauf genommen werden kann.


Biokybernetische Begründung

Die verschiedenen Erklärungsmodelle verteilen sich über das ganze Spektrum der ICF und das bio-psycho-soziale Modell: lokale Neuroinflammation, Trauma bedingte Informon-Freisetzung, Autoimmunbeteiligung, sympathische Dysregulation, motorische Funktionsstörungen, hormonelle Beteiligung, Patiententypologie und neokortikale Reorganisation. Andere Autoren (Bruehl & Carlson (1)) gehen von prädisponierendem psycho-sozialem Einfluss, wie emotionaler Labilität, Depressivität, Somatisierungstendenz und Ängstlichkeit aus. Es gibt viele Ideen, aber keine endgültige Antwort. Auch uns wird eine definitive Lösung nicht gelingen, wir werden lediglich versuchen, die verschiedenen Ansätze zusammenzufügen.

Lokale Neuroinflammation

Regional findet man eine lokale neurogene Entzündung. Verschiedene Entzündungsmediatoren und Informone wie Neuropeptide (Substanz P, CGRP), Zytokine (TNF-Alpha, IL-6, TGF-Beta), Prostaglandine, Kinine halten die Entzündungsreaktion am Laufen. Dadurch entsteht eine primäre Hyperalgesie.

Segmental afferente Ebene

Im Hinterhorn des Rückenmarks werden ebenfalls vermehrt Neurosubstanzen wie Neuropeptide, Neurohormone und Neuromodulatoren freigesetzt, so dass hier eine sekundäre Hyperalgesie ausgelöst wird. Bezogen auf die »Gate-Control-Theorie« werden den vermehrt einströmenden Noziafferenzen Tür und Tor geöffnet und einen größeren Output der NS- und WDR-Neuronen (Transmitterzellen) bewirken.

Die »Selectivity-Control-Theorie« besagt, dass es durch Neurosubstanzen eine somatotope Ausdehnung der Problematik in Intensität und Größe des betroffenen Gebiets geben wird.
Die »Connectivity-Control-Theorie« erklärt, wie die Problematik sich »fest brennt« und auf längere Zeit bahnt.
Die einströmende und segmental verarbeitete Information wird prinzipiell in drei Richtungen weiter geleitet. Diese sind:

Zentral – zur sensorischen Großhirnrinde (Gyrus postcentralis)

Hier werden die Schmerzen und sonstige Empfindungen wahrgenommen. Die einströmende Information wird in den verschiedenen Hirnarealen verarbeitet. Es findet eine erste Bewertung statt »primary appraisal«. Diese Erstbewertung ist eine Einschätzung der Information auf seine Homöostase, herausforderndes oder (lebens-) bedrohendes Potenzial. Wenn das zentrale Nervensystem überflutet ist mit Herausforderungen und Bedrohungen (Nozizeption), wird die selektive Verarbeitungsfähigkeit gesenkt sein. Die Reaktion ist entsprechend ziellos. In einer Zweitbewertung (»secondary appraisal«) wird erörtert, welches die eigenen Fähigkeiten sind, um das Problem zu bewältigen. Wenn die Ressourcen falsch eingeschätzt werden oder ...


weiter ... (für pt_Abonnenten)


Sie haben noch kein _Abonnement?
Profitieren Sie von dem umfangreichen Angebot für _Abonnenten!

Bestellinformationen


Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 © Pflaum Verlag www.physiotherapeuten.de