PRAXIS_PRÄVENTION

Settingansatz +++ Rollenverständnis +++ Gesundheitscoach +++ Ressourcen +++ Berufsaussichten

Die Rolle der Physiotherapeuten von morgen

Herausforderungen und Chancen

Günter Lehmann

Auf einen Blick

Die Ausarbeitungen zum Präventionsgesetz liegen zwar immer noch in den Schubladen der verantwortlichen Politiker, doch die gesundheitspolitischen Herausforderungen dulden keinen Aufschub mehr. Physiotherapeuten können als Bewegungsfachkräfte und Gesundheitscoaches die Prävention von morgen entscheidend mitprägen.


Settingansatz

Der demografische Wandel führt zur Umkehr der Alterspyramide, aber auch zu einer stetig wachsenden Lebensarbeitszeit. Dabei gilt es, die Beschäftigungschancen für Ältere zu erhöhen. Es liegt nahe, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit nicht erst im Alter von 55 beginnen dürfen. Die Aktivierung gesundheitsfördernder Kompetenzen ist als lebens- und arbeitsbegleitender Prozess zu verstehen.

Auf Grundlage des Leitfadens für Prävention § 20a SGB V (Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen, Fassung von 2010) bestehen förderungsfähige Kriterien zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Als besonders wirkungsvolle Intervention erweist sich der sogenannte Settingansatz. Er wurde 1986 von der WHO zur Konkretisierung der Ottawa-Charta erarbeitet. Beim Settingansatz wird entgegen dem Individualansatz nicht das Individuum in das Blickfeld des Handelns genommen, sondern das gesamte soziale System. Auf diese Weise werden auch die Rahmenbedingungen und Verhältnisse berücksichtigt und so wird der Settingansatz zum Gestaltungssystem, in denen die Bedingungen von Gesundheit gestaltet werden. Zu den settingspezifischen Maßnahmen gehören unter anderem gesundheitsfördernde Projekte wie »Gesunde Kita«, »Bewegte Schule« oder »Betriebliches Gesundheitsmanagement« und »Betriebliche Gesundheitsförderung im Betrieb«.

Rollenverständnis ändern

Physiotherapeuten können innerhalb von Settingprojekten sowohl bei der Planung, Gestaltung, Durchführung als auch Evaluation mitwirken. Dabei muss der Physiotherapeut jedoch das häufig verbreitete Rollenverständnis als reiner »Behandler« aufgeben und stattdessen seine Rolle eher als Gesundheitscoach, Moderator und Berater innerhalb eines interdisziplinären Teams definieren.

Weitere Phänomene

Neben den auf Settings ausgerichteten Interventionen gilt es für die physiotherapeutischen Gesundheitsförderer, weiteren Phänomenen mit geeigneten Konzepten und Strategien zu begegnen.

Immer wieder steht der Risikofaktor Bewegungsmangel sowohl mit körperlichen als auch psychischen Erkrankungen in Verbindung. So sind beispielsweise nach Angaben des nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen rund 20 bis 25 % der Krebserkrankungen auf Übergewicht und Bewegungsmangel zurückzuführen.

Bemerkenswert ist auch der rasante Anstieg der psychischen Erkrankungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Ausgaben für die Behandlung dieser Krankheiten zwischen ...



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