PRAXIS_PROJEKT

Ruanda +++ Behinderung +++ Projekt +++ Entwicklungshilfe +++ Therapiebedarf +++ Versorgungssituation

Ruanda 17 Jahre nach dem Genozid

Mit Physiotherapie zurück in die Gesellschaft

Oliver Scheel

Abb. 1: Ruanda und die Spätfolgen des Genozids an den Tutsi
Fotos: Oliver Scheel

Auf einen Blick

Im Jahr 1994 erschütterte der Genozid an den Tutsi in Ruanda die Welt. Fast jede Familie hatte Tote und Verletzte zu beklagen. Ein Hilfsprojekt im Osten des Landes versucht, den Behinderten durch Physiotherapie wieder ein Minimum an Bewegungsfreiheit zu schenken. Ziel ist die Versehrten wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Über dieses Mammutprojekt, das positiv angelaufen ist, berichtet Ihnen der Autor aus erster Hand.


Geschichtlicher Rückblick

Im Jahr 1994 war das zentralafrikanische Land Ruanda das größte Schlachtfeld der Welt. Nach dem Abschuss der Präsidentenmaschine des ruandischen Staatslenkers Juvenal Habyarimana und seines burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira setzte sich eine beispiellose Tötungsmaschinerie in Gang, die von extremistischen Hutu – ein afrikanischer Stamm in Ruanda – gezielt vorbereitet worden war. Über das Radio hatten Demagogen die Bevölkerung bewusst angestachelt, die »Kakerlaken« – wie sie Angehörige des Stammes der Tutsi in ihren Radioprogrammen nannten – allesamt zu töten.

In den folgenden 100 Tagen kam es zum Genozid an der im Land lebenden Tutsi-Minderheit. Angehörige der Hutu-Mehrheit töteten nicht nur fast 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi, sondern auch moderate Hutu, die Tutsi versteckten oder sich weigerten, an diesem Völkermord teilzunehmen.

So viele Behinderte wie sonst nirgends in Afrika

Nach Schätzungen kamen bei dem Genozid zwischen 800.000 und einer Million Menschen ums Leben. Bis heute sind die Folgen dieses Genozids im ganzen Land spürbar: In keinem anderen afrikanischen Staat leben so viele Menschen mit Behinderungen. Denn die sich im Blutrausch befindlichen Menschen nahmen alle erdenklichen Waffen zur Hand, um gegen die Tutsi vorzugehen. Mit stumpfen Macheten verstümmelten sie beispielsweise die Extremitäten von Kindern.

Tausende Überlebende sind bis heute fürchterlich entstellt und behindert. Es gibt fast keine Familie in Ruanda, die keine Opfer zu beklagen hat. In jeder Stadt begegnen einem Menschen mit vernarbten Gesichtern, verkrüppelten Handgelenken oder auf hölzernen Krücken. Sie leiden an den Folgen von zerschlagenen Hüftgelenken, massiven Knochenbrüchen und teilweise abgetrennten Armen, Händen und Beinen (Abb. 1).

Therapeutische Versorgung heute

Und diese Menschen leiden heute wiederum unter einer mangelhaften ärztlichen Versorgung und schlechter physiotherapeutischer Betreuung. Auf ge-



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