PRAXIS_EVIDENZBASIERT

Fraktaltheorie +++ Variabilität +++ Komplexität +++ Schulterarthroskopie +++ Motorik

Akrodynamische Therapie

Umsetzung fraktaltheoretischer Prinzipien am Fallbeispiel

Thomas Wolf

Abb. 1: Z.n. Schulterarthroskopie rechts – Patient demonstriert monotones, primitives Bewegungsmuster des rechten Schultergürtels und des Glenohumeralgelenks zur Umsetzung der Armelevation
Foto: Thomas Wolf

Auf einen Blick

Thomas Wolf stellte Ihnen die Akrodynamische Therapie in einer vorhergehenden Ausgabe der pt vor und veranschaulichte sie kurz mit einem Fallbeispiel eines Schulterpatienten. Seine Hypothese: Bei einer Bewegungseinschränkung nimmt die Komplexität des motorischen Verhaltens derart ab, dass auf ein primitives, monotones Verhalten zurückgegriffen wird. Lesen Sie, wie Sie diese Hypothese konkret in der Therapie nutzen können.


Fallbeispiel

Bei Störungen im Bewegungssystem greifen wir auf monotone und reguläre Bewegungsmuster zur Erfüllung der jeweiligen motorischen Aufgabe zurück. Dies geht mit einem Verlust des komplexen und variablen Verhaltens der beteiligten myofaszialen Systeme einher. Ein Phänomen, das in physiologischen Systemen gleichermaßen im Alterungsprozess und beispielsweise bei schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen zum Tragen kommt (1).

Zustand nach Schulteroperation

Im Fall eines 61-jährigen männlichen Patienten mit Abriss der Supraspinatussehne und Zustand nach Schulterarthroskopie zeigten sich fünf Tage postoperativ in der Basisfunktionsuntersuchung Einschränkungen des Schultergelenks in die Außenrotation und Abduktion. Neben verminderten Muskelfunktionswerten und deutlich sichtbaren Atrophien der Außenrotatoren waren Tonuserhöhungen der posturalen Brust- und Nackenmuskulatur festzustellen. Überkopfarbeiten stellten sich für den Patienten als nicht mehr möglich heraus. Bei qualitativer Elevationsanalyse zeigten sich ein gestörter skapulohumeraler und -thorakaler Rhythmus und Ausweichbewegungen des gesamten Schultergürtels (Abb. 1).

Der Bewegungsablauf entspricht dem Haltungshintergrund eines etwa zwei bis drei Monate alten Säuglings im Unterarm- bzw. Ellenbogenstütz in Bauchlage (Abb. 2). Es liegt ein koordinativ primitiv ausgerichteter zervikothorakaler Funktionskreis vor, der ein physiologisches Zusammenspiel der Schultergürtel- und Schultergelenke für eine endgradige, motorische Funktion über Kopf unmöglich macht – was der Säugling nicht bewusst physiologisch umsetzen kann.

Komplexität der Motorik

In unserem Fallbeispiel nimmt die Komplexität des motorischen Verhaltens in einer pathologischen Situation derart ab, dass auf ein primitives, monotones Verhalten zurückgegriffen wird. Diese ...



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