WISSENSCHAFT_NARRATIVER REVIEW

Effekte trainingstherapeutischer Maßnahmen bei Morbus Parkinson

Extrinsische Trainingsmaßnahmena

Mareike Schwed, Christian T. Haas

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Zusammenfassung

Cueing: Spontane Auswirkungen von externem Cueing bei Morbus Parkinsonpatienten sind in zahlreichen Studien belegt. Eine kleine Anzahl von Studien untersuchten Effekte über einen längeren Zeitraum. Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz, dass externes Cueing positive Langzeiteffekte auf Gangparameter und Gleichgewicht hat. Positive Evidenzen liegen ebenfalls bezüglich eines Laufbandtrainings vor.

Vibration: Vibrationsstimuli wirken sich nicht per se positiv auf die MP-Symptomatik aus. Die Parameter der Schwingung scheinen dabei von zentraler Bedeutung zu sein. Als besonders effektiv sind randomisierte und stochastisch überlagerte Stimulationen anzusehen. Eine funktionale Rolle spielen hier wahrscheinlich phasische Dopaminfreisetzungen.

Praktische Konsequenzen: Das Zusammenwirken der verschiedenen motorischen Defizite weist mittelfristig erhebliche Folgewirkungen auf, vor allem im Hinblick auf eine Reduktion der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL). Im Bereich der Koordination zeigen Morbus Parkinsonpatienten relativ stabile pathologische Muster, so dass ein konventionelles Koordinationstraining nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden kann. Daher bietet es sich an, neben den im ersten Teil diskutierten intrinsischen Maßnahmen (siehe Hinweis) auch extrinsische Trainingsmethoden (Cueing, Vibration) zu integrieren, um trotz der vorhandenen Defizite den Einsatz adäquater Trainingsreize zu ermöglichen.

Schlüsselwörter: Morbus Parkinson, Training, externes Cueing, Vibration, neurotrophe Faktoren


Extrinsische Trainingsstimuli

Im vorliegenden zweiten Teil des Überblicksbeitrags werden die Effekte extrinsischer Trainingsstimuli (Cueing, Vibration) bei Morbus Parkinson (MP) vorgestellt und diskutiert. Ferner erfolgt – unter Berücksichtigung der Ergebnisse intrinsischer Trainingsmaßnahmen (siehe Hinweis) – eine zusammenfassende Interpretation. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Aspekte »Wechselwirkungsmechanismen« und »Umsetzbarkeit« ein.

External Cueing – rhythmische Signale

Eine große Anzahl von MP-Studien zeigen signifikant positive Effekte auf Gangparameter durch »external cueing«. Hierbei werden rhythmische Signale genutzt, die MPP (Morbus Parkinsonpatienten) visuell, akustisch und/oder sensorisch präsentiert werden. Beeinträchtigungen vor allem beim Gehen (Freezing, Rhythmusstörungen) können durch diese Methode kompensiert werden (zur Übersicht siehe Quellen 1–3).

Abb. 1: Marker auf der Gangbahn sind ein Beispiel für externes Cueing
Foto: Mareike Schwed

Visuelles Cueing nutzt beispielsweise mehrere Bodenmarker (30 x 5 cm), die einen starken Kontrast zum Untergrund darstellen und auf der Gangbahn angebracht werden (Abb. 1). Der Abstand der Marker definiert die Schrittlänge der Patienten. Alternativ kommen auch Laserstrahlen zum Einsatz, die in das Sichtfeld des MPP projiziert werden (4–6). Zudem wurden Möglichkeiten einer Cueing-Brille (siehe Glossar) evaluiert, die visuelle rhythmische Stimuli erzeugt (7).

Beim akustischen Cueing werden rhythmische Klickgeräusche über ein Metronom übertragen. Diese werden bei normaler Schrittfrequenz (100%) und bei erhöhter Schrittfrequenz (110–120 %) eingesetzt. Zahlreiche Forschungsgruppen (8–12) diskutieren die Wirkungsweise durch Laufbandtraining als externes Cueing. Die primären und sekundären Effekte durch Laufbandtraining wurden bei einer größeren Anzahl von Studien getestet (13–18).

Spontaneffekte

Die verschiedenen Formen des externen Cueings zeigen überwiegend eine sofortige Wirkung während und direkt nach der Intervention (s.u.). Eine hohe Evidenz besteht für die Verbesserung verschiedener Gangparameter wie Schrittlänge, Ganggeschwindigkeit, Kadenz, Reduktion der Doppelstandphase, Gangrhythmus und Gangstabilität. Die Trainingseffekte halten auch nach dem externen Cueing bis zu zwei Stunden an. Die Gangvariabilität (siehe Glossar) kann ebenfalls reduziert werden, was bei Morbus Parkinson teilweise mit einer geringeren Sturzgefahr in Zusammenhang gebracht wird. Im Einzelnen stellen sich die Studien wie folgt dar.

Marker auf der Gangbahn

Basierend auf einer Personenstichprobe von 8 MPP untersuchten Bagley und Kollegen (19) die Auswirkungen heller, dreieckiger Marker, die regelmäßig auf einer Gangbahn angebracht wurden. Signifikante Verbesserungen im Vergleich zum Gehen ohne Cues zeigten sich in der Schrittlänge (0,41 m vs. 0,58 m) sowie in der relativen Dauer der Doppelstandphase (33% des Schrittes vs. 21% des Schrittes). Kompensatorisch veränderte sich die Schrittzeit von 1,32 s ohne Cues auf 1,6 s mit Cues. In einem Wiederholungstest ohne Cues konnte ein signifikanter Carry-over-Effekt in der Schrittlänge, nicht aber in den anderen Gangparametern identifiziert werden.

Die folgenden Studien von Morris et al. (5, 20, 21) verwendeten externe Cues in Form von weißen rechteckigen Streifen, die in regelmäßigen, an die Schrittlänge der Probanden individuell angepassten Abständen auf der Gangbahn befestigt waren. Zunächst wurden die Gangparameter von 15 MPP und 15 GES (Gesunden) analysiert (5). Unter der ersten Testbedingung erfolgte die Präsentation der zuvor angegebenen visuellen Cues, im zweiten Test wurden die Probanden zusätzlich instruiert ...



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