Zusammenhänge zwischen Katastrophisierungsgedanken und funktionellen Beeinträchtigungen bei TEP-Implantation
Eva-Maria Hieber
|
Zusammenfassung
Einleitung: Schmerz-Katastrophisierung ist ein wichtiger psychologischer Faktor im Rahmen der Schmerzwahrnehmung und spielt eine Rolle bei der Chronifizierung von Schmerzen. Ziel dieser Untersuchung war es, mögliche Zusammenhänge zwischen den Schmerz-Katastrophisierungsgedanken und der körperlichen Funktionsfähigkeit bei Knie-TEP-Implantationen zu identifizieren.
Methode: Bei den 77 teilnehmenden PatientInnen wurde die Schmerz-Katastrophisierung mittels der »Pain Catastrophizing Scale« erhoben. Die Funktionseinschränkungen wurden sowohl per Selbsteinschätzung über den WOMAC-Fragebogen als auch über die Messung des aktiven Bewegungsausmaßes ermittelt.
Ergebnisse: Es konnten Zusammenhänge zwischen der Schmerz-Katastrophisierung und dem aktiven Bewegungsausmaß sowie der subjektiven Einschätzung der körperlichen Beeinträchtigung festgestellt werden.
Schlussfolgerung: Schmerz-Katastrophisierung ist eine negative Bewältigungsstrategie, welche die Schmerzerfahrung und die funktionellen Beeinträchtigungen beeinflusst. Auch im Rahmen der Knieendoprothetik ist die Katastrophisierung von Schmerzen von Bedeutung. Weitere Forschungsarbeiten sollten den Einfluss dieser psychologischen Komponente näher untersuchen.
Schlüsselwörter: Schmerz-Katastrophisierung, funktionelle Beeinträchtigung, Knieendoprothetik
Hintergrund
Die »Schmerz-Katastrophisierung« wird als eine der wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Schmerzforschung beschrieben und gilt als maßgebender psychologischer Faktor im Rahmen der Schmerzwahrnehmung (1, 2).
Die Katastrophisierung von Schmerzen bedeutet eine übertriebene negative Hinwendung zu Schmerzreizen. Hierbei wird neben dem erhöhten Fokus auf schmerzhafte Stimuli der Schmerz als Bedrohung gesehen und ist mit Sorge verbunden. Ein Gefühl der Überforderung hinsichtlich des Schmerzzustandes und der Unfähigkeit mit dem Schmerz umzugehen wird als Merkmal der »Schmerz-Katastrophisierung« beschrieben (3). Das zeigt, dass es sich bei ausgeprägten Katastrophisierungsgedanken um eine übermäßig negativ interpretierte Schmerzwahrnehmung handelt, die eine erhöhte emotionale Belastung mit sich bringt.
Dem psychologischen Konstrukt »Schmerz-Katastrophisierung« wird eine entscheidende Rolle bei der Schmerzchronifizierung zugeschrieben. Insbesondere zu chronischen Rückenschmerzen erfolgten zahlreiche Untersuchungen (4, 5). Neben der hohen Korrelation zwischen der »Schmerz-Katastrophisierung« und der Schmerzintensität ist die Auswirkung der Katastrophisierungsgedanken auf die körperliche Funktionsfähigkeit eine elementare Beobachtung. In diesem Zusammenhang zeigten Studien schlechtere funktionelle Fähigkeiten der PatientInnen bei hohen Katastrophisierungstendenzen (3, 4).
Auch in der Knieendoprothetik, ein Hauptgebiet der orthopädischen Chirurgie, werden zunehmend psychologische Faktoren als Prädiktoren untersucht (6). Dies ist die Konsequenz aus der Beobachtung sehr unterschiedlicher postoperativer Verläufe, die zum Teil medizinisch nicht nachvollziehbar sind. Bislang konnte insbesondere der Einfluss von Angst und Depression auf den postoperativen Verlauf belegt werden (7). Es stellt sich die Frage nach der Bedeutung der Schmerz-Katastrophisierung in diesem Kontext.
Studienziel
Ziel dieser Arbeit war es, Zusammenhänge zwischen der Katastrophisierung von Schmerzen und den funktionellen Beeinträchtigungen der PatientInnen im Rahmen einer Knieendoprothesen-Implantation zu identifizieren.
Untersuchungsdesign
Die Untersuchung wurde als prospektive Längsschnittstudie im Erhebungszeitraum Januar bis März 2010 durchgeführt.
Teilnehmer
Alle konsekutiv zur Implantation einer Knietotalendoprothese aufgenommenen PatientInnen wurden am Aufnahmetag vom Untersucher über die Studie informiert. Es erfolgte eine Erläuterung des Untersuchungshintergrunds sowie der Studieninhalte und Abläufe. Die PatientInnen wurden explizit darauf hingewiesen, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt und Behandlungs- und / oder Therapieentscheidungen nicht beeinflusst werden. Des Weiteren folgten Informationen zum Datenschutz und die Erklärung, dass keinerlei Nachteile entstehen, wenn eine Teilnahme abgelehnt oder nach Studienbeginn zurückgezogen wird.
Ein-und Ausschlusskriterien
PatientInnen, die mündlich einwilligten, über deutsche Sprachkenntnisse in Wort und Schrift verfügten sowie die schriftliche Einwilligungserklärung unterzeichneten, wurden in die Studie eingeschlossen. Grundsätzlich ausgeschlossen wurden PatientInnen, die älter als 85 Jahre waren, PatientInnen mit Revisionseingriff sowie PatientInnen, die sich aktuell in psychotherapeutischer Behandlung befanden.
Messinstrumente: Schmerz-Katastrophisierung
Die Erfassung der Schmerz-Katastrophisierung erfolgte mit der von Meyer et al. 2007 ins Deutsche übersetzten Version der »Pain Catastrophizing Scale« (8). Es handelt sich um einen Fragebogen mit 13 Items. Er beschreibt verschiedene Gedanken und Gefühle, welche die Personen erleben, die unter Schmerzen leiden. Für jedes Item bestehen fünf Antwortmöglichkeiten:
Die Bewertung richtet sich danach, wie stark die jeweils erläuterten Gedanken und Gefühle bei der Schmerzempfindung vorliegen. Der Gesamtscore wird durch Addition der einzelnen Werte gebildet und liegt zwischen 0 und 52 Punkten. Hohe Werte weisen auf eine starke Tendenz zur Katastrophisierung hin.
Messinstrumente: körperliche Funktionseinschränkungen
Die körperlichen Funktionseinschränkungen wurden per Fragebogen über den »Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index«
weiter ... (für pt_Abonnenten)
| Sie haben noch kein Profitieren Sie von dem umfangreichen Angebot für |