PRAXIS_FALLBERICHT

Gangtraining +++ Metatarsus +++ Orthopädie +++ Fußgewölbe +++ Akrodynamische Therapie

Akrodynamische Therapie bei Hallux valgus

Behandlungsstrategie nach Lapidusarthrodese

Thomas Wolf

Abb. 1: Postoperatives Röntgenbild
Foto: Irmgard Wolf

Auf einen Blick

In diesem Fallbericht schildert Ihnen der Autor die Therapie nach akrodynamischen Gesichtspunkten bei postoperativem Schmerzsyndrom nach einer Lapidusarthrodese mit plantarer Platte und temporärer Arthrodese im Metatarsophalangealgelenk II.


Einleitung

Sowohl die konservative als auch die postoperative Therapie von Patienten nach diversen Operationsmethoden eines Hallux valgus stellen für den Physiotherapeuten eine anspruchsvolle Herausforderung dar. Die Evidenz für konservative physiotherapeutische Interventionen indiziert zwar eine Minderung der Schmerzsymptomatik, jedoch eine Rückführung der Hallux valgus-Deformität erscheint bislang nicht möglich (1).

Die operative Versorgung erfolgt zum einen mittels Osteotomie des ersten Strahls des Metatarsus oder auch mittels Versteifung und Korrektur des deformierten ersten proximalen interphalangealen Gelenks. Des Weiteren werden verschiedene Modifikationen der Lapidusarthrodese (siehe Glossar) durchgeführt. Diese Form der Arthrodese erlaubt eine schmerzabhängige Vollbelastung bereits zwei Wochen postoperativ (2).

Zur Wiedererlangung der vollen Funktionsfähigkeit der Fuß- und Zehengelenke sind physiotherapeutische Maßnahmen grundlegend. Gerade die Wiederherstellung der vollen Bewegungsreichweiten der Zehen- und Mittelfußgelenke, die Kräftigung der intrinsischen Fußmuskulatur und die Schulung der Belastungsübernahme auf den betroffenen Gelenken gehören im Rahmen eines gezielten Gangtrainings zu den wichtigen Bestandteilen der Therapie (3).

Im Rahmen der Kräftigungsmaßnahmen stellt sich die Frage nach der strategischen Vorgehensweise. Ist die Kräftigung der betroffenen Muskeln, die für die Aufrechterhaltung des medialen Längsgewölbes zuständig sind, mittels selektiver, konzentrischer Aktivierung und anschließender funktioneller Integration im Gangbild ausreichend? Ist nicht gerade die akrodynamische Therapie (ADT) (siehe Hinweis), die mittels Druckstauchimpulse und exterozeptiver Reize den Fuß als Afferenzquelle für die Aufrichtung der Gewölbestrukturen nutzt, die Therapie der Wahl?

Anamnese und Untersuchung

Anamnese

Die 59-jährige Frau W. erhielt vor einem Jahr aufgrund massiver Hallux valgus-Beschwerden eine Lapidusarthrodese mit plantarer Platte und sequentiellem Release der Hammerzehen am ersten und zweiten Strahl mit temporärer ...



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