Palpation +++ Konstruktivismus +++ Denkgemeinschaft +++ Realitätswahrnehmung +++ Sinnesreiz
Wie konstruieren wir Erkenntnisse?
Antje Bähr
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| Abb. 1: Tastwahrnehmung Foto: Andreas Tilch |
Auf einen Blick
Die Palpation ist Teil der physiotherapeutischen Untersuchung. Fachwissen und Erfahrung als Therapeut gelten als Faktoren für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Aber: Werden Wahrnehmungen, die nicht »ins Konzept passen« ausgeblendet? Lesen Sie, zu welchem Ergebnis die Autorin kommt.
Matthies et al. (1) stellten 1991 einen Versuch zur »Erkenntniskonstruktion am Beispiel der Tastwahrnehmung« vor. Obwohl die Untersuchung schon einige Jahre zurückliegt und die Forscher das Thema leider nicht weiterverfolgt haben, besteht doch eine solche Relevanz für die physiotherapeutische Forschung, dass eine analytische Betrachtung der Materie auch heute noch lohnend erscheint.
Was wir über unsere Umwelt, über unsere Mitmenschen und über uns selbst wissen, basiert auf Wahrnehmung (2). Wenn eine Vielzahl von Menschen das Gleiche wahrnimmt, müsste es auch eine Art von Realität geben. Die Tatsache aber, dass wir uns auf eine Wirklichkeit einigen können, bedeutet nicht, dass es eine von uns unabhängige Realität gibt, sondern der Einigungsprozess selbst schafft die Illusion dieser Realität (1). Wahrnehmung formt sich aus konstruktivistischer Sicht erst während eines sinnerzeugenden Verstehensprozesses. Das bedeutet, dass der Wahrnehmende versucht, die aufgenommenen Sinnesreize in möglichst widerspruchsfreien, sinnvollen Zusammenhängen zu begreifen (Abb. 1).
Matthies et al. (1) und andere Vertreter des konstruktivistischen Gedankenguts nehmen an, dass Wirklichkeitskonstruktionen im Kern sozial bedingt sind, das heißt, dass Individuen in ihrem Denkstil einer sozialen Gruppe folgen. Denkgemeinschaften pflegen, wie auch andere organisierte Gemeinden, wie beispielsweise Handwerkszünfte, eine gewisse formelle und inhaltliche Abgeschlossenheit (3).
Physiotherapeutische Konzepte
Die Konzeptvielfalt in der Physiotherapie trägt dazu bei, dass eine Vielzahl von in sich relativ geschlossen agierenden Denkgemeinschaften parallel nebeneinander existiert. Dies könnte aus konstruktivistischer Sicht wiederum dazu beitragen, dass sich Therapeuten unterschiedlicher Konzeptschulen in ihren Wahrnehmungsbereitschaften existenziell unterscheiden und somit auch zu anderen Schlüssen kommen.
Versuchsaufbau
Matthies et al. (1) versuchten in ihrer Studie das Konstruierte von Wahrneh- ...
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