Kontrollierte Effekte
Jan Schröder
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Zusammenfassung
Einleitung: Pilates gilt als sanftes Kräftigungstraining unter dem besonderen Aspekt, die tiefe Rumpfmuskulatur zu beanspruchen. Vermutet werden positive Einflüsse auf die Wirbelsäulenstatik.
Methode: Die Wirbelsäulenform von 24 freiwilligen Teilnehmerinnen (10 Pilates/14 Kontrolle) wurde vor und nach einem definierten Pilatestraining (12 Einheiten à 60 Minuten, einmal wöchentlich) videorasterstereografisch untersucht.
Ergebnisse: Es wurden signifikante Veränderungen (p < 0,05) der Wirbelsäulenform im Sinn einer Aufrichtung (Kyphosewinkel, Wirbelsäulenlänge, Lotabweichung, Beckenschiefstand) infolge des Pilatestrainings beobachtet.
Schlussfolgerungen: Die kontrollierten Effekte werden als valide und spezifische Trainingsanpassungen interpretiert, die die Wirksamkeit der Grundidee von Pilates stützen.
Schlüsselwörter: Pilates, Wirbelsäulenform, Trainingseffekte
Pilates ist eine Kräftigungsgymnastik mit besonderen Bewegungsmustern und Atemtechniken. Im Zentrum methodischer Hinweise stehen Co-Kontraktionsmuster für die Rumpfmuskulatur. Von besonderer Bedeutung sind die tief liegenden Muskelschichten, nach ventral vornehmlich der quere und die schrägen Bauchmuskeln (1) und nach dorsal die wirbelsäulennahen, autochtonen Rückenmuskeln. Vor Beginn jeder Übung wird zunächst der Nabel in Richtung Wirbelsäule eingezogen (M. transversus abd.) und die Spannung während der Übung gehalten (2).
Die submaximale Anspannung des Beckenbodens erleichtert die Ansteuerung des M. transversus (3) und durch die thorakolumbale Faszie werden die autochtonen Rückenmuskeln bei Kontraktionen des M. transversus abd. co-innerviert (4, 5). Bedingt durch die spezifische Atemtechnik beim Pilates wird eine Zwerchfellkontraktion in die Bewegungsausführung integriert (2). Co-Kontraktionen von Transversus, Beckenboden, autochtonen Rückenmuskeln und des Zwerchfells erhöhen den intra-abdominellen Druck und stabilisieren die Wirbelsäule (6). Im einschlägigen Jargon wird das Pilates-Co-Kontraktionsmuster »Power-House« genannt (7).
Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Trainingskonzepts die Methode hieß bis zum Tod von Josef Hubertus Pilates 1967 noch ›Contrology‹ werden sechs Bewegungsprinzipien hervorgehoben, die eine Verbindung zwischen Körper und Geist herstellen sollen: Kontrolle, Zentrierung, Konzentration, Präzision, Bewegungsfluss und Atmung (8). Ohne die angesprochene Verbindung von Körper und Geist entspricht das beschriebene Co-Kontraktionsmuster den Merkmalen des segmentalen Stabilisierungstrainings (5) bzw. den Bewegungsvorgaben des Sling-Exercise-Therapy (siehe Glossar)-Trainings (9).
Die anhaltende Popularität verdankt das Pilatestraining vielen Publikationen prominenter Personen wie Barbara Becker (10) mit persönlichen Berichten, Erfolgen und Erfahrungen. Die Wirksamkeit der Methode wurde jedoch auch aus wissenschaftlicher Sicht untermauert. So konnten in teilweise kontrollierten Studien Verbesserungen der Kraftausdauer und der Beweglichkeit für den Rücken und die oberen Extremitäten sowie reduzierte Taillen-, Brust- und Armumfänge beobachtet werden (11, 12). Bei Rückenschmerzpatienten konnten Verbesserungen des Gesundheitsstatus, der Körperwahrnehmung und der Beweglichkeit mit einhergehender Schmerzreduktion in einem kontrollierten Design festgestellt werden (13).
Positive Haltungsveränderungen wurden zwar als subjektive Eindrücke erfasst (12), biomechanische Analysen des sagittalen Wirbelsäulenprofils konnten jedoch keine signifikanten Veränderung nach zehnwöchigem Pilatestraining ermitteln (14).
In diesem Beitrag sollen in einem kontrollierten Untersuchungsdesign mithilfe der Videorasterstereografie Veränderungen der Wirbelsäulenform durch ein standardisiertes Pilatestraining bei vorerfahrenen Probandinnen analysiert werden.
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Stichprobe
Für die Untersuchung konnten 10 weibliche, mehrjährig vorerfahrene Probanden eines Hamburger Pilateskurses (Pilates) und 14 freiwillige, sportlich aktive Probandinnen ohne Pilateshintergrund (Kontrolle) im Sinne anfallender Stichproben akquiriert werden. Die Stichproben wiesen im wesentlichen vergleichbare anthropometrische Kennziffern auf (p > 0,05), unterschieden sich jedoch signifikant im Alter (p < 0,000) (Tab. 1).
Messsystem
Die Wirbelsäulenform wurde mithilfe der videorasterstereografischen Rückenoberflächenrekonstruktionb analysiert. Über ein Kamera-Diaprojektor-System und Triangulationsalgorithmen (siehe Glossar) wurden prominente Knochenvorsprünge (Vertebra prominens, hintere obere Darmbeinstachel, Kreuzbein) bzw. anatomisch korrelierende Strukturen (linkes und rechtes Lumbalgrübchen und der Beginn der Analfalte) automatisiert als Bezugspunkte für ein Koordinatensystem auf der Rückenoberfläche mit einer sehr hohen Auflösung (7.500 Raumpunkte) und einem sehr geringen Rekonstruktionsfehler (< 1 mm) detektiert (15), so dass die Rückenoberfläche unabhängig von der Stellung der Person im Raum abgebildet werden konnte (Abb. 1). Aus der Rekonstruktion konnten reliabel (rtt > 0,80) (16) Wir- ...
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