WISSENSCHAFT_SYSTEMATISCHER REVIEW

Frühkindliche Asymmetrie

Evidenz konservativer Behandlungsmethoden – welchen Nutzen bieten kraniale Orthesen?

Yvonne Rommel

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Yvonne Rommel

Zusammenfassung

Einleitung: Frühkindliche Asymmetrien gehören zum Behandlungsalltag eines Physiotherapeuten, der sich auf die Therapie von Säuglingen spezialisiert hat. Zur konservativen Behandlung kommen verschiedene Methoden, beispielsweise Physiotherapie und Osteopathie, zum Einsatz. Die Verwendung kranialer Orthesen wird aktuell kontrovers diskutiert. Wie effektiv sind nun diese Methoden in der Behandlung frühkindlicher Asymmetrien? Die vorliegende Literaturarbeit soll die Evidenz konservativer Behandlungsmethoden bei frühkindlichen Asymmetrien aufzeigen.

Methode: Die Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken PubMed (MEDLINE), PEDro und Cochrane unter Verwendung freier Suchbegriffe und mithilfe von MeSH-Begriffen. Die eingeschlossenen Studien wurden mit den wesentlichen Studiencharakteristika dargestellt und hinsichtlich der methodischen Qualität beurteilt.

Ergebnisse: Insgesamt erfüllten 18 Studien, die sich mit der Behandlung frühkindlicher Asymmetrien auseinandersetzen, die Einschlusskriterien. Davon verglichen 6 Studien den Effekt kranialer Orthesen mit der Gegenlagerung. Die Effektivität der kranialen Orthesen überwog gegenüber der Gegenlagerung. Weitere 10 Studien berichteten meist in Form von Fallserien von positiven Effekten der Helmtherapie. Zwei randomisierte kontrollierte Studien beschreiben die Wirksamkeit physiotherapeutischer und osteopathischer Maßnahmen bei frühkindlicher Asymmetrie.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Literaturarbeit weisen darauf hin, dass kraniale Orthesen scheinbar positive Effekte bei der Therapie der lagebedingten Schädelasymmetrie zeigen. Die geringe Studienqualität und die damit verbundene Gefahr von potenziellem Bias relativieren die Ergebnisse. Bezüglich Physiotherapie und Osteopathie gibt es erste Hinweise zur Effektivität dieser Behandlungsmethoden.

Schlüsselwörter: Frühkindliche Asymmetrie, Physiotherapie, Osteopathie, Gegenlagerung, kraniale Orthesen


Einleitung

Frühkindliche Asymmetrien treten in unterschiedlicher Form in Erscheinung, beispielsweise als Schädelasymmetrie, als angeborener Schiefhals, als Hüftdysplasie oder auch als idiopathische Säuglingsskoliose. Auch in Form einer Lagepräferenz kann eine Schiefhaltung des Säuglings beschrieben werden (1). Der Begriff des »moulded baby syndrome« weist darauf hin, dass genannte Formen nicht isoliert auftreten, sondern sich gegenseitig bedingen, wie beispielsweise ein Beckenschiefstand sich in Fehlhaltungen der Knie und Füße widerspiegeln kann (2).

In Zahlen

Eine signifikante Asymmetrie liegt bei etwa 8 bis 10% aller Neugeborenen vor (1–3). Jeder dritte von ihnen ist behandlungsbedürftig. Im Alter von zwei bis drei Jahren zeigen immer noch 2,4% der Kinder Beeinträchtigungen im Bewegungsausmaß der Halswirbelsäule und / oder weisen eine Abflachung des Kopfes auf (1).

Weniger ausgeprägte, mildere Formen von Schädel-, Gesichts-, Kieferasymmetrien treten dagegen bei 73% aller Neugeborenen auf (3) und legen nahe, dass Asymmetrien in einem gewissen Rahmen durchaus »normal« sind.

Die Risikofaktoren sind zumindest für die lagebedingte Schädelasymmetrie eindeutig beschrieben: eine bevorzugte Kopfhaltung, eine limitierte Kopfdrehung bei Geburt, die Rückenlage als Schlafposition, ein niedriges Aktivitätslevel und männliches Geschlecht. Ebenso spielt die intrauterine Lage eine nicht unwesentliche Rolle. Auch für Erstgeborene, Frühgeborene, Zwillinge, Mehrlinge besteht ein erhöhtes Risiko einer Schädelasymmetrie (1, 4–7).

Im Alter von sieben Wochen sind neben dem Geschlecht und dem Geburtsrang folgende Faktoren entscheidend: Kopfposition während des Schlafens, Position der Wickelkommode, Methode des Fütterns, Position während des Fütterns mit der Flasche und Einnahme der Bauchlage im Wachzustand. Interessanterweise spielt das Vorliegen einer Schädelasymmetrie nach der Geburt statistisch keine Rolle für das Vorliegen einer Schädelasymmetrie mit sieben Wochen (8).

Behandlungsformen

Die Behandlung frühkindlicher Asymmetrie beinhaltet laut Literatur die präventive Beratung, die Umlagerung des Kopfes (während des Schlafs), Physiotherapie, Osteopathie, kraniale Orthesen (siehe Glossar) und in seltenen Fällen auch operative Maßnahmen (9). In Deutschland werden frühkindliche Asymmetrien physiotherapeutisch nach Vojta und nach Bobath behandelt. Die Eltern werden bezüglich Handling und Lagerung angeleitet und auch manualtherapeutische und osteopathische Techniken kommen zum Einsatz. Die Versorgung mit kranialen Orthesen wird aktuell kontrovers diskutiert.

Wie effektiv sind nun diese Methoden in der Behandlung frühkindlicher lage- und haltungsbedingter Asymmetrien? Mit welcher Therapie ist der asymmetrische Säugling am besten beraten?

Die vorliegende Literaturarbeit geht diesen Fragen nach und gibt eine Übersicht des derzeitigen Forschungsstandes. Die Effekte konservativer Behandlungsmethoden werden anhand der vorliegenden Literatur zusammengefasst und analysiert.

Methoden

Die Literaturrecherche wurde vom 21. Dezember 2009 bis zum 6. Januar 2010 in den elektronischen Datenbanken PubMed (Medline), Cochrane und PEDro durchgeführt. Folgende Suchbegriffe wurden sowohl einzeln als auch in kombinierter Form eingesetzt: treat- ...


Asymmetrischer Säugling – wie sieht
die bestmögliche Behandlung aus?
Foto: Yvonne Rommel



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