Review +++ Forschungspyramide +++ Beobachtende Studien +++ Return to work +++ Low back pain
Kombination beobachtender und experimenteller Studien
Andrea Pfingsten
Auf einen Blick
Reviews sind eine wichtige Möglichkeit, die Lücke zwischen Forschung und Praxis zu schließen. Für die Anwendbarkeit in der täglichen Arbeit ist es entscheidend, welche Evidenz wie zusammengefasst wird. Lesen Sie hier über den Pilottest zur Kombination beobachtender und experimenteller Studien.
Neuer Ansatz
Die Basierung ausschließlich auf experimentellen Studien wird für komplexe Maßnahmen wie die Physiotherapie und die Berücksichtigung langfristiger, partizipationsbezogener Outcomes als nicht immer ausreichend, angemessen und möglich betrachtet (16). Es ist zu erwarten, dass die gleichwertige Verbindung verschiedener Forschungsansätze umfassende Evidenz liefert. Das Modell der Forschungspyramide (7) bietet dafür eine mögliche Herangehensweise.
Als erster Schritt zur Umsetzung dieses Modells wurde im Rahmen eines Pilottests (8) ein System entwickelt, Studien aus beobachtenden und experimentellen Forschungsansätzen gleichwertig zu berücksichtigen.
Systematische Suche
2009 wurde eine systematische Suche nach Interventionen, die die Rückkehr zur Arbeit (return to work) von Patienten mit Beschwerden des unteren Rückens (low back pain) beschleunigen, durchgeführt. Aus 4.013 Ergebnissen wurden 97 Artikel über 61 Studien manuell selektiert und flossen in die Auswertung ein. Auf diesem Weg konnten 47 experimentelle Studien, davon 42 randomisierte kontrollierte Studien sowie fünf einarmige Studien integriert werden. Hinzu kamen 14 beobachtende Studien, davon sieben Kohortenstudien sowie sieben einarmige Studien. Die Studien wurden nach Symptomkomplexen beispielsweise chronische unspezifischen Rückenschmerzen und Interventionen beispielsweise Functional-Restoration-Programme (siehe Glossar) zusammengefasst und die Evidenzen der Primärstudien bewertet (8).
Evidenzqualität
Um eine übergreifende Aussage über die Evidenz zu treffen, wurden in Anlehnung an das System der GRADE Working Group (9) (siehe Glossar) vier Evidenzgrade definiert (Tab. 1). Für eine Bewertung hoher Qualität galt die Voraussetzung, dass bei hoher Evidenz der Primärstudien konsistente Ergebnisse aus mindestens einer beobachtenden und einer experimentellen Studie vorlagen.
Entsprechend wurden bei mittlerer Studienevidenz mindestens je zwei Studien erwartet. Da die Ergebnisse von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zwar einerseits meist heterogener ausfallen als die von beobachtenden Studien (10, 11), andererseits die Wirksamkeit angenommen werden kann, wurde die Evidenzqualität bei Fehlen beobachtender Studien maximal als mittel bewertet.
Ebenso genügte die reine Bestätigung der Interventionswirkung durch mehrere beobachtende Studien nicht für eine hohe Bewertung, da die Möglichkeit besteht, dass Confounder (siehe Glossar) das Ergebnis verzerren. Die beiden ...
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