WISSENSCHAFT_SYSTEMATISCHER REVIEW

Assessments in der Sturzprophylaxe

Können derzeit häufig genutzte motorische Tests das Sturzrisiko älterer Menschen vorhersagen?

Christine Greiff

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Zusammenfassung

Einleitung: Die mit dem Alter ansteigende Sturzgefahr hat sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft weitreichende Folgen. Die Ursachen dieses erhöhten Sturzrisikos müssen zunächst erkannt werden, um dann behandelt oder beseitigt werden zu können. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche der üblichen motorischen Tests zu Gleichgewicht und Gang geeignet sind, um ein Sturzrisiko festzustellen.

Methoden: Die Datenbanken PEDro, PubMed und Springer Link wurden nach Artikeln ab 2004 in Englisch wie in Deutsch und mit ausgewählten Suchbegriffen sowie festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien durchsucht. Nach Bewertung der Artikel durch die Quadas- und die Quorom-Tabelle wurden sieben Studien und fünf Reviews berücksichtigt.

Ergebnisse: Die Studiendesigns und Ergebnisse aus den Studien und Reviews waren sehr unterschiedlich. Insgesamt wurden 29 Tests untersucht. Die Kombination mehrerer Tests ermöglicht dabei die beste Sturzvorhersage.

Schlussfolgerung: Zur besseren Einschätzbarkeit eines Sturzrisikos müssen die Tests validiert werden. Diese Tests sollten zur Kontrolle bei Interventionen nach erfolgtem Sturz oder zur Sturzprophylaxe herangezogen werden.

Schlüsselwörter: Sturzrisiko, motorische Tests, Sturzvorhersage, Verlaufskontrolle, Interventionen


Einleitung

Die Lebensqualität und Selbstständigkeit älterer Menschen wird maßgeblich von ihrer Mobilität geprägt (1). Diese Mobilität wird unter anderem eingeschränkt durch Sturzrisiken, Sturzangst, Immobilität und andere Faktoren. Mehrere Autoren besagen, dass ungefähr 30% der über 65-Jährigen mindestens einmal jährlich stürzen, die Hälfte von ihnen auch öfter. Bei über 80-Jährigen steigt die Sturzhäufigkeit auf über 50% (2).

Typisch für diese Stürze ist, dass sie bei Alltagsaktivitäten ohne Bewusstseinsveränderung oder große Traumata passieren. Stürze und die daraus folgenden Frakturen korrelieren mit der Summation bestimmter Risikofaktoren. Dazu zählen: muskuläre Schwäche besonders der Beine, reduziertes Gleichgewicht, Visusminderung (siehe Glossar), kognitive Störungen und regelmäßige Einnahme von mindestens vier Medikamenten, die teils spezifisch mit Stürzen zusammenhängen können (Benzodiazepine, Antidepressiva, Neuroleptika und Antikonvulsiva) (3–6). Der Sturz per se ist keine Diagnose. Er steht am Anfang und ist ein Symptom, das dazu aufruft, sich auf die Suche nach den Ursachen zu machen (7).

In niedergelassenen Praxen, in Akutkrankenhäusern und Rehabilitationskliniken werden Physiotherapeuten immer öfter mit der Problematik der schwindenden Selbstständigkeit, steigenden Gebrechlichkeit und den Sturzfolgen, beispielsweise Nachbehandlung nach Frakturen, konfrontiert. Um dieses Sturzrisiko feststellen zu können, werden eine Reihe von Tests angewendet, ohne dass ihre Güte hinterfragt wird (8–10).

Die Frage ist, welche der motorischen Tests zu Gleichgewicht und Gang – ohne aufwendiges Equipment – geeignet sind, tatsächlich ein Sturzrisiko festzustellen und welche Tests am besten für welche Population infrage kommen?

Grundlagen

Verschiedene Autoren stellen neben der Bedeutung für die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Gestürzten einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Aspekt für die Gesellschaft fest (9–11).
Für die Sturzprävention muss zunächst die Sturzgefährdung des einzelnen Menschen erfasst werden.
Man unterscheidet intrinsische und extrinsische Faktoren. Weiter kann eine Einteilung zur Häufigkeit des Sturzrisikos vorgenommen werden.
Das Sturzrisiko hängt zudem auch stark von der individuellen Aktivität ab: Sehr aktive Menschen sind gefährdet, da sie sich häufiger Risiken aussetzen, und inaktive Menschen sind aufgrund ihrer Inaktivität und den damit verbundenen Abbauprozessen gefährdet (2). Voermans et al. (9) fassten folgende diagnostische Fragen bei Stürzen zusammen:

Der Sturzdiagnostik geht am besten eine Anamnese inklusive häuslicher Situation, Medikation und Erkrankungen voraus. Bei der motorischen Testung sollten Gang und Kognition beachtet werden.

Jegliche Gangunsicherheit führt zur Erhöhung des Sturzrisikos (9, 12). Das Gangbild des alten Menschen verändert sich geschlechtsspezifisch gegenüber jüngeren. Frauen gehen kleinschrittig mit geringer Unterstützungsfläche, Männer neigen dazu, breitbeinig und schlurfend zu gehen. Ob es zu einem Sturz kommt, hängt von der Fähigkeit ab, diese Gleichgewichtsstörung taktisch zu kompensieren (12). Ein erhöhtes Sturzrisiko beim Gehen liegt bei Menschen mit Morbus Parkinson vor.

Verminderte kognitive Fähigkeiten, wie dementielle Entwicklungen, können die Dualtasking-Fähigkeit beeinflussen und beeinträchtigen die Aufmerksamkeit während des Gehens oder bei Alltagsaktivitäten in Bezug auf die posturale Stabilität. Das erhöht die Sturzgefahr gegenüber Gleichaltrigen ohne kognitive Defizite (13). Zur Einschätzung des zukünftigen Sturzrisikos muss das Sturzereignis analysiert und die daraus resultierenden Folgen betrachtet werden.

Standardisierte Ratingskalen, wie Tinetti-Mobility-Index (siehe Glossar) und Berg-Balance-Skala (BBS), beschreiben die meisten Aspekte von Gang und Gleichgewicht, während Zeittests quantitative Informationen enthalten, die bei der Vorhersage von Sturzrisiken helfen sollen. Zur Erfassung des Sturzrisikos spielen das statische Gleichgewicht, das dynamische Gleichgewicht, die Ausdauer und das Körpergleichgewicht eine wichtige Rolle. Andere (9) sind der Meinung, dass noch Orthostase-Tests (siehe Glossar) und Sehtests nötig sind.

Methoden

Suchstrategie

Die Literaturrecherche (siehe Zusatzservice) erfolgte im November 2009 in den Datenbanken PEDro, PubMed und Springer-Link. Die Suche beschränkte sich auf englische und deutsche Literatur. RCTs, Review und all Adult > 19 limitierten die Recherche, um eine relevante Artikelauswahl zu erhalten. Es wurden folgende Suchbegriffe gewählt: fall assessments, berg balance ...



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