_Wissenschaft

Wissenschaft trifft Praxis: Schmerzquelle Wirbelsäule

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Die Ursache von Beschwerden liegt oftmals nicht dort, wo der Patient Schmerzen angibt. Eine aktuelle Studie geht unter anderem der Frage nach, wie viele Patienten mit Schmerzen in den Extremitäten eigentlich ein Problem mit dem Rücken haben. Christian Garlich hielt auf dem Fachkongress pt HOLIdays zur therapie on tour in Bochum vom 28. bis 29. September 2018 einen Vortrag zu diesem Thema. Hier finden Sie die Zusammenfassung mit Interview.

EXPOSS - Extremity musculoskeletal pain of spinal source: prevalence and outcomes using the McKenzie System of Mechanical Diagnosis and Therapy

Extremitäten-Schmerzen, die von der Wirbelsäule herrühren, können ohne begleitende lokale Wirbelsäulenbeschwerden auftreten. Ohne adäquate Differenzierung kann die Schmerzursache als Extremitäten-Problem fehlinterpretiert werden. Dies führt zur Verschwendung von Ressourcen und kann ineffektive Behandlungen nach sich ziehen. Bisher gibt es keine belastbaren Daten zur Frage, wie hoch die Prävalenz solcher Patienten ist.

Die Studie untersucht, wie hoch der Anteil von Patienten ist, die sich primär mit Extremitäten-Schmerzen vorstellen, bei denen die Schmerzursache jedoch die Wirbelsäule ist. Außerdem untersucht die Studie den Effekt der entsprechenden Wirbelsäulentherapie. Dabei kommt sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie das McKenzie System zum Einsatz.

Diese multizentrische, prospektive Kohortenstudie rekrutierte 369 Patienten mit Extremitäten-Schmerzen. Numerische Schmerz-Skala, Upper Extremity / Lower Extremity Functional Index, Orebro Questionnaire und Global Rating of Change Outcomes wurden bei der Erstuntersuchung, nach zwei Wochen, nach vier Wochen und bei Entlassung erfasst. Die Therapeuten setzten eine „Standard McKenzie-Behandlung“ ein.

Eine vorläufige Auswertung (n=172) ergab, dass 45,9 Prozent der Teilnehmer eine Wirbelsäulen-Ursache für ihre Symptome hatten. Die ANOVA Auswertung zeigte, dass sich die Outcomes der Wirbelsäulengruppe, die eine Directional Preference (DP) zeigten, nicht signifikant von denen der Extremitäten-Gruppe mit DP unterschieden. Beide hatten jedoch signifikant (p<0.05) bessere Ergebnisse als die Extremitäten-Patienten ohne DP.

Die Zwischenergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte aller Patienten mit Extremitäten-Schmerzen eine Wirbelsäulenursache für ihre Symptome hatte und dass diese Patienten ähnlich wie Extremitäten-Patienten mit Directional Preference auf Behandlung reagieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirbelsäule eine häufige Ursache für Schmerzen ist, die ausschließlich an den Extremitäten auftreten.

Obwohl die Wirbelsäule Extremitäten-Schmerzen verursachen kann, wird bisher nicht standardmäßig eine valides Verfahren zur Differenzierung eingesetzt. Ein solches Verfahren könnte gewährleisten, dass Patienten eine adäquate Intervention erhalten.

Ausblick: die nächsten pt HOLIdays planen wir bereits zur therapie Leipzig vom 7. bis 9. März 2019: http://bit.ly/HOLIdaysInLeipzig

pt online 16.11.2018


Literatur

Heidar Abady, A, Rosedale R, Chesworth B, Rotondi M, Overend TJ. 2017. Application of the McKenzie system of Mechanical Diagnosis and Therapy (MDT) in patients with shoulder pain; a prospective longitudinal study. J. Man. Manip. Ther. 25;5:235–43

Menon A, May S. 2013. Shoulder pain: Differential diagnosis with mechanical diagnosis and therapy extremity assessment – A case report. Man. Ther. 18;4:354–57

Hirokado M. 2015. Clinical usefulness of MDT classification system among the japanese knee pain patients. 13th International McKenzie Conference. McKenzie Institute International. Copenhagen, 06.09.2015

Autor

Christian Garlich

Instructor am Mckenzie Instititut D, A, CH; seit 2008 staatlich anerkannter Physiotherapeut; seit 2016 Teilnahme am Diploma program of the McKenzie Institute International; Abschlüsse: Diploma in Mechanical Diagnosis and Therapy, University of Dundee, Schottland; MSc Advanced Practice (Physiotherapeutic Practice) (vorauss. 07/2018); Tätigkeit im Therapiezentrum am Ärztehaus Karow (GbR) Berlin; PULZ im Rieselfeld, Freiburg. Weiterbildungen: Manuelle Therapie nach Kaltenborn; Gerätegestütze Krankengymnastik (KGG); Diploma in MDT.

chris@mckenzie.de

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